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Editorial
Schönes Wetter ist anders

»Oh nein, nicht schon wieder«, ruft die Frau, als sie hörte, dass die nächste Hitzewelle heranrollt, »das halte ich nicht aus. Beim letzten Mal saß ich eine Woche in der abgedunkelten Wohnung.« Schönes Wetter oder mörderisches Klima? Fragen wir den Kanzler.
vom 23.07.2026
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Sonne, blauer Himmel, wolkenlos. Im Garten sitzen oder im Straßencafé. Schwimmen im See. Spazieren im Park. Was für ein Sommer! »Grauenhaft«, stöhnt die Dame im Blumenladen. »Nächste Woche geht es weiter, bis zu 34 Grad«, sagt ein anderer Kunde. »Oh nein, nicht schon wieder«, ruft die Frau, »das halte ich nicht aus. Beim letzten Mal saß ich eine Woche in der abgedunkelten Wohnung.« Schönes Wetter oder mörderisches Klima? Über 5000 Todesfälle, so rechnet das Robert-Koch-Institut, hat die Hitzewelle im Juni 2026 in Deutschland gefordert. Während das Leben auf den öffentlichen Plätzen sprichwörtlich »verdorrte«, kühlte die Polizei die Bevölkerung mit Wasserwerfern ab. Weitere Hitzewellen folgen. In Europa und in den USA brennen bereits die Wälder wegen Trockenheit und Hitze. Seit drei Jahren sind die Meere besonders warm, die Jahrestemperaturen brechen einen Rekord nach dem anderen. In seiner Regierungserklärung sprach Kanzler Merz über viele Themen: Rente, Gesundheit, Wirtschaft, Waffen und Verteidigung. Klimawandel? Kein Thema. Auch nicht für die Medien. Der Verein »Klima vor acht« zeigt in seinem Monitoring, dass die Berichterstattung dazu im ersten Halbjahr 2026 bei ARD und ZDF auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen gefallen ist. Weniger als ein Prozent der Sendezeit beschäftigte sich mit der Klimakrise. Warum? Dieser Frage gehen wir in unserer Rubrik »Brennglas« in diesem EXTRA LEBEN nach. Dabei wären doch die Hitzewellen, unter denen Deutschland und Europa gerade erstickt, das Momentum für dieses dringend Thema, das die Zukunft unserer Erde und das Leben unserer Nachkommen so existenziell betrifft.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum EXTRA 08/2026 vom 30.07.2026, Seite 2
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Momentum – dieses Wort habe ich bei der Fußball-WM 2026 in den vergangenen Wochen immer wieder gehört. Ein Momentum, so lerne ich, bezeichnet den idealen Moment für bestimmte Aktionen oder stärkt die Kraft (Messi, Kane, Ronaldo und Co.), die eine Bewegung oder Entwicklung vorantreibt. Tore und Siege. Die Deutschen hatten leider kein Momentum. »Macht nichts«, würde Aristoteles jetzt sagen. Er erklärt uns in diesem Heft, dass ein Mensch nicht immer gewinnen muss, sondern auch mal verlieren und aus einer Niederlage klüger hervorgehen kann.

»Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen« – sagte Friedrich Merz beim Nato-Gipfel in Ankara. Nun frage ich mich: Wenn in einem Krieg Tausende, Zehntausende, Hunderttausende und mehr Soldaten tot, verstümmelt oder schwer traumatisiert sind, wenn Hunderttausende Mütter ihre Söhne verlieren, Frauen ihre Männer und Kinder ihre Väter – ist in so einer Tragödie auf beiden Seiten das Wort »gewinnen« angemessen? Es ist schließlich kein Fußballspiel.

Aristoteles lehrt uns die Tugend, klug abzuwägen, um zwischen den Extremen Maß und Mitte zu finden, in der Sprache und in den Handlungen, damit der Mensch Gerechtigkeit und Exzellenz erlange. Das wäre doch eine gute Schule – auch für unseren Bundeskanzler.

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