Die weinende Stadt
Giftgrüne Blumenkohlköpfe türmen sich neben leuchtenden Zitronen, frischen Orangen und kleinen Kumquats. Am nächsten Stand zieren halbe Schweineleiber die Auslage, werden mit geübten Handgriffen Lammkoteletts geschnitten, Hühner gerupft und Würste geformt. Eine Gruppe alter Herren sitzt wenig weiter auf klapprigen Plastikstühlen in der Sonne, ein zerbeulter Pappkarton in der Mitte dient als Ablage für ihr Kartenspiel. Am Straßenrand liegen Essensreste, Artischockenblätter und matschige Bananen, von den Händlern achtlos in die Gosse geworfen. Jugendliche knattern mit ihren Vespas hupend durch die holprigen Gassen, in der Luft hängt der penetrante Geruch von mediterranen Gewürzen und gegrilltem Fleisch. Ein Bummel über Palermos Altstadtmärkte, die sich wie Perlenschnüre durch die engen Straßen des Centro Storico ziehen, ist ein Fest für die Sinne: Farben, Gerüche, Geschrei – ein Spektakel, so laut und so schrill, dass der Tourist aus dem Norden es manchmal kaum aushalten mag. Und über allem schwebt seit Generationen der ewig gleiche Singsang der Händler, die sogenannte Abbaniata, die Qualität und Frische der Waren anpreisen soll.
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