Ein Buch fürs Leben …
Die Fluten der Leidenschaft
Nichts täte ich lieber, als an sehr warmen, ja heißen Tagen am Meer zu sein, auf einem feinsandigen Strand, mit Möwengeschrei, Windbraus und Wellengang. Daher kommt mir das Buch »Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft« von Dieter Richter gerade recht, das vor Kurzem erschienen ist (Wagenbach. 238 Seiten). Und da ich ein Fan von Inseln bin, steige ich geradewegs in das Kapitel »Tochter des Wassers: Die Insel« ein. Um zu erfahren, dass Inseln »nicht Fleisch und nicht Fisch« sind: »Die Insel ist entweder ein Relikt versunkenen Festlands oder durch terrestrische Kräfte über den Wasserspiegel gehobenes Neuland«. Aber was sind dann die Nordsee-Inseln, frage ich den Literatur- und Kulturwissenschaftler Richter, der in Bremen und Süditalien lebt. Die Nordfriesischen Inseln sind, so Richter, »die Relikte der großen Sturmflut von 1362. Und seit Ende der 1990er-Jahre entsteht bei Pellworm in der Nordsee die neue Insel Norderoogsand«. Eine Insel, die Menschen nur mit Ausnahmegenehmigung betreten dürfen, die ansonsten den Vögeln, Seehunden und Pflanzen vorbehalten ist. Es gibt aber genug Inseln an der Nord- und Ostseeküste, die Menschen betreten können. Auch während der Saison hält sich der Gästestrom in Grenzen. Der Süden lockt mehr Menschen an als der Norden, obgleich vor allem die Nordsee mehr natürliche Anregung für Körper, Seele und Geist bereithält. Auch wenn ich das Meer im Süden und im Westen kenne, bleibt meine Lieblingslandschaft die norddeutsche Küste, was vielleicht mit meiner norddeutschen Herkunft zu tun hat. Nach einem Aufenthalt am Meer fühle ich mich erfrischt, gelassener, bereichert und kurz nach dem Wegfahren ins Binnenland schon wieder sehnsüchtig nach dem Meer. Sollte es mir ergehen wie Heinrich Heine: »Ich liebe das Meer wie meine Seele. Oft wird mir sogar zumute, als sei das Meer eigentlich meine Seele selbst«, wie ihn Richter in seiner Kultur-und Literaturgeschichte des Meeres zitiert, neben vielen anderen Autoren, vornehmlich Schriftstellern, Philosophen und Dichtern, die er zu Wort kommen lässt. Dazu zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen, die einladen, im Text hängen zu bleiben, den Aspekten und ihrer Spiegelung in der eigenen Empfindung nachzuspüren.
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Norbert Copray
ist
geschäftsführender
Direktor der
Fairness-Stiftung.
Er leitet seit 1977
das Rezensionswesen
von Publik-Forum.

