Ligsalz 8 ist eine gute Adresse
Mit seiner bunten Bemalung sticht das Haus besonders aus dem Grau der umliegenden Wohnhäuser heraus. Eine Glyzinie rankt sich an der Mauer hoch. Gegenüber ist ein Gemüseladen, und um die Ecke bietet ein Friseur Damenhaarschnitte für zwölf Euro an. Das Westend war früher einmal ein Arbeiterviertel, der Anteil der Migranten ist hier höher als in anderen Stadtteilen Münchens. Noch ist es keine Wohngegend, in der die Kunden, ohne mit der Wimper zu zucken, über vier Euro für einen Kaffee zahlen. Aber auch das Westend hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die oft türkischen Betreiber der kleinen Obst- und Gemüseläden kämpfen ums Überleben. Büros des Europäischen Patentamts an der Hackerbrücke und die Neuentwicklung des alten Messegeländes haben den Mietpreisen im Viertel einen kräftigen Schub gegeben. Da ist das alternative Wohnprojekt Ligsalz 8 im Münchner Stadtteil Westend Gold wert. Am großen Tisch sitzen die Bewohner des Hauses zu einer Besprechung beisammen, die alle zwei Wochen stattfindet. Der Raum steht Initiativen im Stadtteil als Treffpunkt zur Verfügung. Sabine Herrmann und York Runte haben hier schon so manche Diskussionsrunde verbracht. Beide sind von Beginn an dabei, sie haben das Wohnprojekt mit angestoßen. Heute leben hier zwölf Erwachsene und ein Kind auf vier Stockwerke verteilt in Wohngemeinschaften.
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Claudia Mende arbeitet als freie Journalistin. Sie lebt in München.

