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Die erbärmliche Frau

Ich blieb und schaute. Vor meinem inneren Auge entstand ein neues Gesicht. Ich sah ihre Würde in allem Elend
von Agnes Lanfermann vom 28.12.2015
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Es war 1980 in den letzten Semestern meines Studiums. Ich hatte die Gelegenheit, mit Mitstudenten Projekte der Spiritaner mit Straßenkindern in Brasilien zu besuchen. Schon länger hatte ich mich mit der Theologie der Hoffnung und des Kreuzes befasst und war gespannt, wie sich die Gott-verheißene Befreiung der Armen mitten im Alltag in der Praxis erweist. Der Besuch führte auch in Slums von São Paulo, jener Mega-City, die die Armen an den Rändern der Stadt um sich sammelt. Die Armut war bitter; doch eine unendliche Hoffnung beseelte die Menschen, wenn sie in den Versammlungen als kleine kirchliche Basisgemeinschaft ihre Hoffnungs- und Sehnsuchtslieder sangen. Das gab ihnen Mut und Kraft, ihren Alltag zu bestehen und Rede und Antwort zu stehen im Kampf um Gerechtigkeit, auch angesichts von Drohungen. Ihre wortlosen Lebenszeugnisse hinterließen bei mir Spuren für immer. Es war das erste Mal, dass mich der Anruf der Armen so konkret traf.

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