Friedensarbeit
»Sie haben miteinander geweint, getanzt, gebetet«

Noch immer bin ich ganz beseelt von der intensiven Seminarwoche mit den jungen Israelis und Palästinensern hier bei uns in Wetzlar. Zwölf Frauen und Männer zwischen 19 und 30 Jahren – Juden, Muslime, Drusen und Christen – sind im Oktober nach Deutschland gekommen. In einer sicheren Umgebung wollten sie sich begegnen und gemeinsam nach Wegen zum Frieden in ihrem Land suchen.
Ich bin Mitglied der »Abrahamic Reunion«, was übersetzt Abrahamitische Wiedervereinigung bedeutet. Das ist eine interreligiöse Organisation, die die verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Nahen Osten als Kinder Abrahams versteht. Was die Politik von oben nicht schafft, will die Abrahamic Reunion von unten erreichen: durch Begegnungen, gemeinsames Essen, Gespräche, Konzerte und Friedensarbeit.
Mein Mann Björn und ich unterstützen diese Arbeit. Zunächst haben wir vor allem Spenden gesammelt, denn es kostet eine Menge Geld, 500 Leute aus ganz Israel mit Bussen zu einer Großveranstaltung zusammenzubringen. Durch Onlinemeetings halten wir Kontakt mit den Aktiven in Israel und in den USA. Gerade in der Zeit nach dem Massaker des 7. Oktober und während des grauenvollen Gazakriegs haben wir intensiven Kontakt gepflegt, um die Hoffnung nicht zu verlieren. Uns wurde klar, dass wir die friedensbewegten jungen Menschen einmal aus ihrer Region herausholen müssen. Nur so können sie sich in Ruhe begegnen und über alles nachdenken. Also luden wir sie zum Seminar »From Pain to Peace« nach Deutschland ein. Ein Rabbi und zwei muslimische Geistliche der Abrahamic Reunion sind mit ihnen gekommen. Die Kreuzkirche in Wetzlar hat ihre Räume zur Verfügung gestellt, Gastfamilien ließen die jungen Leute bei sich übernachten.

Es war eine aufregende Woche voller tiefgehender Gespräche und Auseinandersetzungen. Björn und ich sind Psychotherapeuten und konnten auch seelische Verletzungen ansprechen. Gegenseitig haben sich die Teilnehmenden von ihrer Angst und Trauer erzählt. Sie haben geweint, aber auch getanzt und gefeiert. Beim Besuch einer Moschee haben alle gemeinsam gebetet. »Das alles wäre in Israel nicht möglich gewesen«, sagte ein junger Palästinenser zum Abschied.
Zurück in Israel treffen sich die jungen Leute wieder, um die Erfahrungen im Alltag umzusetzen und zusammen für den Frieden einzustehen. Ich bleibe in Deutschland, bin mit meinem Herzen bei ihnen und will sie weiter unterstützen.
Sarah Rech, geboren 1966, ist Lehrerin und Gestalttherapeutin. Mit ihrem Mann ist sie im Vorstand der Abrahamic Reunion Deutschland aktiv.



