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»Lügen braucht kein Talent«

von Gunnar Leue vom 22.04.2019
»Mal ehrlich! – Sieben Wochen ohne Lügen« lautete das Motto der evangelischen Fastenaktion. Nun ist diese Zeit vorbei – und die Lüge kehrt zurück in den Alltag. Welche Bedeutung haben Lügen dort? Und welche Rolle spielen sie in der großen Politik? Ein Gespräch mit der Psychologin und Lügenforscherin Kristina Suchotzki über Lügen, Fake News und Donald Trump
Ehrlich? Oder ist es gelogen? Menschen lügen gerne - und lassen sich auch mit Vergnügen belügen. Warum das so ist und was daraus folgt erklärt die Würzburger Psychologin Kristina Suchotzki im Interview (Fotos: Paul Catalin Pop/alamy; privat)
Ehrlich? Oder ist es gelogen? Menschen lügen gerne - und lassen sich auch mit Vergnügen belügen. Warum das so ist und was daraus folgt erklärt die Würzburger Psychologin Kristina Suchotzki im Interview (Fotos: Paul Catalin Pop/alamy; privat)

Publik-Forum.de: Frau Suchotzki kennen Sie das Lügenmuseum im sächsischen Radebeul?

Kristina Suchotzki: Nein.

Es huldigt der Lüge als Kunstform, ganz nach Picassos Maxime »Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt«. Das Museum hat schon Lügenbälle am 1. April veranstaltet, dem Tag, an dem die Menschen fast weltweit ihre Mitbürger mit Schwindeleien in den April schicken. Das zeigt: Lügen macht einfach Spaß, oder?

Suchotzki: Natürlich, denken Sie auch zum Beispiel an Zauberer oder Gaukler. Menschen begeben sich gern mal freiwillig in Situationen, wo sie quasi angeflunkert werden wollen. Das Lügen hat auf jeden Fall auch positive Facetten, es kann interessant und unterhaltsam sein.

Obwohl seit Menschengedenken gelogen wird, gibt es – im Vergleich zu anderen Wissenschaftszweigen – relativ wenig Forschungserkenntnisse. Warum?

Suchotzki: Unter Wissenschaftlern war das Thema lange Zeit eher als zu »populärwissenschaftlich« verschrien. Zudem ist Lügen ein sehr komplexes Verhalten und deshalb nicht so einfach im Labor zu erforschen. Mich interessiert vor allem, was der Mensch eigentlich braucht und können muss, um lügen zu können. Lügen ist ja auch deshalb so spannend, weil es eine gewisse Fertigkeit erfordert. Darum ist es bei Kindern immer ein gutes Zeichen, wenn sie zu lügen anfangen. Ohne die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und das Wissen, dass die andere Person nicht genau das gleiche weiß wie ich, kann man nicht lügen.

Von Befragungen, bei denen Menschen um Selbsteinschätzungen gebeten werden, zum Beispiel aus Sex-

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