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Wir sind alle fröhlich

vom 27.04.2020
von Friederike Günnewig, Mannheim

Wir müssen an Ostern zu Hause bleiben. Wir, das sind Vater, Mutter, Tochter (6), Sohn (3), kleiner Sohn (8 Monate). Eigentlich wollten wir die Kar- und Ostertage in einer evangelischen Kommunität verbringen und dort gemeinsam mit vielen Familien feiern.

Ostern alleine feiern. Oh weia? Oder: Was für ein Geschenk!

Gründonnerstagabend: Im Wohnzimmer auf dem Teppichboden sitzen wir vier im Kreis, der Jüngste rollt dazwischen herum. Auf dem Klavierhocker-Altar stehen Kerze, ein Stück Brot und Traubensaft. Mit der Kinderbibel erinnern wir uns an Jesu letztes Mahl mit seinen Freunden. Und bevor wir Brot und Traubensaft teilen, waschen wir uns gegenseitig die Füße. Der Dreijährige dem Vater, die Sechsjährige der Mutter und umgekehrt.

Karfreitag 10 Uhr: Im Garten – es ist so unglaublich still in diesen besonderen Tagen – gehen wir einen kleinen Kreuzweg miteinander. Vom Olivenbäumchen (Garten Gethsemane) an der Gartenbank vorbei (Jesu Verurteilung) zu den Treppenstufen (Golgatha) bis zu einer kleinen, ruhigen Ecke (Jesu Grab). Tochter und Sohn tragen mit einer berührenden Ernsthaftigkeit das selbst gezimmerte Kreuz.

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Ostersonntag 6:30 Uhr. Die Kinder sind wach, wir Eltern auch, im Schlafanzug machen wir uns auf zum Osterfeuer im Garten. Wie schön es knistert, als wir es entzünden! Wie unglaublich ruhig dieser Ostermorgen ist, einzig der kleine Nachbarshund guckt neugierig rüber. Wie andächtig die Kinder sind. »Im Dunkel unserer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt!« Singend betrachten wir die Flammen, lauschen dem Knistern. Wir entzünden unsere selbst gemachte Osterkerze. Wir werfen unsere Sorgenzettel von Karfreitag ins Feuer, lesen Teile aus dem Exsultet und die Schöpfungsgeschichte. Der Dreijährige ist mittlerweile mit einem Stock beschäftigt, die Sechsjährige fragt, wann es Frühstück gibt. Nach ein paar Strophen »Gott hält die ganze Welt in seiner Hand« gibt es drinnen Osterfrühstück.

Ostersonntag 10 Uhr. Mit der Nachbarsfamilie vorm Haus singen wir in heller Morgensonne – und im verordneten Abstand zueinander. Die Posaune ertönt, unsere Straße, die Nachbarhäuser … alles wird von einer Festlichkeit und Freude überstrahlt. Das Grab ist leer. Großer Gott, wir loben Dich. Wir wollen alle fröhlich sein.
Wir SIND alle fröhlich: Was für ein einzigartiges Osterfest! Ein Geschenk. So intensiv, so tiefgehend und so wesentlich habe ich die Kar- und Ostertage selten erlebt!

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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