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Von St. Corona am Wechsel zum Coronavirus

vom 24.06.2020
von Michael Glanz, Wien

Irgendwann so Anfang März ist mir bewusst geworden, dass da etwas auf uns zukommt, das es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Am 7. März haben wir noch den 50. Geburtstag von Peter Fiala gefeiert und beim nach Haus gehen habe ich mir gedacht, jetzt wird es ernst.

Dann vergingen noch einige Tag, und dann gab es den Auftritt von Bundeskanzler Kurz, wo er sagte, wir müssen dieses Virus bekämpfen »Koste es, was es wolle«, so seine Aussage. Da habe ich mir gedacht, jetzt ist es so weit. Wir kommen alle in eine für uns unbekannte Situation.

Das war der Beginn eines mehrwöchigen Aufenthaltes, wo ich die Wohnung nicht mehr verlassen habe. Keine persönlichen Kontakte, außer übers Telefon bzw. die sozialen Medien, das wird schwer werden. Zudem wohne ich ja alleine.

Aber mit ein wenig Gottvertrauen werde ich auch diese Situation meistern.

Dabei habe ich ja Corona, nicht das Virus, in guter Erinnerung, war es doch diese liebliche Ortschaft St. Corona am Wechsel, wo meine Mutter ihren letzten Urlaub verbrachte. Aber sie hatte damals, als es ihr schon sehr schlecht ging, in dieser Ortschaft Kraft gefunden. Also werde ich es auch schaffen.

Eigenartig, auch kein Messbesuch, keine Feiern in der Karwoche, das schmerzt schon, hätten wir doch heuer gerade zum Palmsonntag ein herrliches Wetter gehabt.

Wichtig war mir eine ziemlich genaue Tagesstruktur, unter der Devise nicht gehen lassen.

Da ich aufgrund meiner Vorerkrankungen zur besonderen Risikogruppe gehöre, ist meine Tochter, die Ärztin ist, darauf bestanden, dass ich ihr meine wichtigsten Werte wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung etc. mittels Whats App jeden Morgen übermittle. Bis dato ist gesundheitlich bei mir alles in Ordnung.

Was auf alle Fälle positiv war, war eine Welle der Hilfsbereitschaft, wie Angebote aus der Hausgemeinschaft zum Einkaufen etc. Auch meine Schwester hat mir sehr geholfen.

Zudem konnte ich Dinge erledigen, die ich bisher immer aufgeschoben hatte. Briefmarkensammlung ordnen, viele Unterlagen entsorgen, zum Beispiel Garantiebriefe für Geräte, die man schon lange nicht mehr im Haushalt hat, und vieles mehr.

Auch meine täglichen 10.000 Schritte habe ich gemacht, halt in der Wohnung.

So konnte ich diesbezüglich ohne größere Sorgen durchkommen.

Den Blog in der Fastenzeit von Kaplan Beck habe ich mir täglich angesehen und wurde von mir als spirituelle Bereicherung angenommen.

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Auch die Gottesdienste unserer Pfarre zur Osterzeit habe ich mir auf Facebook angesehen. Danke noch allen, die mitgewirkt haben, besonders für die Liedbegleitung von Pia.

Viele Gottesdienste habe ich mir auch übers Fernsehen und Internet angesehen. Manchmal war es für mich auch ein wenig belastend, vielleicht lag es auch an der Karwoche, dass sich so vieles um die Sünde bewegte. Ich weiß natürlich, dass nicht alles im Leben gut ist, das man macht, aber in dieser Situation der Coronapandemie ist die Hoffnung, zum Beispiel die der Auferstehung doch das Allerwichtigste.

Dies ist natürlich nur mein persönlicher Standpunkt.

Mein quasi Lieblingsgottesdienst war und ist der von »missio« mit Pater Karl Wallner, der auf Livestream gesendet wird. Vielleicht wegen der Art von Volksfrömmigkeit, sehr häufig mit Liedern aus der Schubertmesse, da kann man auch richtig mitsingen und mitbeten.

Jetzt nach sechs Wochen in Heimquarantäne verspüre ich schon ganz fest, dass sich die Situation zum Guten wenden wird.

Keine Ahnung wie in Zukunft die Gestaltung der Gottesdienste von Statten gehen sollen. Mit den derzeitigen Coronaauflagen wird es nicht einfach sein.

Was ich mitnehme aus den Erfahrungen der letzten Wochen.

Das, dass das persönliche Gegenüber ganz wichtig ist und eigentlich durch nichts ersetzt werden kann. Der berühmte jüdische Philosoph spricht es ja aus, der Mensch vom »Ich« zum »Du«.

Kein Treffen von Bekannten, Familienmitglieder etc. ist schon sehr hart. Daran werde ich mich nie gewönnen können.

Aber bei Dietrich Bonhoeffer gibt es im Lied in der dritten Strophe folgenden Text. »Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.«

Ich glaube einfach daran, dass letztendlich wieder alles gut wird.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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