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Veränderte Gewohnheiten

vom 25.09.2020
von Urte Zell

Wie gewohnt komme ich vom Einkaufen nach Hause.
Wie gewohnt?
Nein. Manches hat sich geändert.
Ich sage kurz »Hallo« zu Harald. Mehr nicht.
Auto- und Wohnungsschlüssel lege ich beiseite.
Erst einmal wasche ich mir gründlich die Hände. Das mache ich schon seit Jahren so, wenn ich nach Hause komme. Ich glaube seit dem Ausbruch von EHEC vor vielen Jahren. Das geschieht schon fast automatisch.
Dann lege ich die Gesichtsmaske, die ich vorher bereits abgenommen habe, in die Sonne oder zumindest in die frische Luft. So soll sie ausdunsten. Denn ich verwende sie mehrfach.
Darauf wasche ich die Handschuhe, die ich während des Einkaufs getragen habe, gründlich unter fließendem Wasser, natürlich mit Seife. Zum Trocknen lege ich sie nach draußen, bei Regen auf die Fensterbank.
Jetzt wasche ich die Brille. Das habe ich früher nie gemacht. Aber es wird inzwischen empfohlen. Wie so manches empfohlen wird, was man früher nicht bedacht hat.
Vorsichtshalber wasche ich auch mein Gesicht. Wer weiß schon, wo sich dieser Virus alles festsetzen möchte. Danach creme ich mich ein. Sonst spannt die Haut. Dem Virus ist das wahrscheinlich egal.
Nun müssen noch die Schlüssel mit dem Spray, das ich immer bei mir habe, desinfiziert werden. Meistens macht das Harald für mich.
Ganz zum Schluss wasche ich noch einmal meine Hände. Mehr kann man/kann ich nicht tun – außer das Haus nicht mehr verlassen.
Aber das kommt für mich nicht infrage.
Wenn all das erledigt ist, kann ich endlich Harald richtig begrüßen und in den Arm nehmen.
Ist diese ganze Prozedur sinnvoll? Notwendig?
Oder ist das übertrieben?
Ich weiß es nicht.
Zumindest ist es bereits eine Gewohnheit geworden, eine neue Gewohnheit. Lästig, aber auch nicht wirklich einschränkend.
Ist das meine neue Normalität?

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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