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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Taizé wird katholisch

von Christian Modehn vom 10.01.2012
Kulturen und Konfessionen bunt gemischt: Über Jahrzehnte pflegte die Bewegung von Taizé eine ökumenische Spiritualität. Doch ihr europäisches Jugendtreffen in Berlin offenbarte jetzt: Die Bruderschaft - einst vom Protestanten Roger Schutz gegründet - ist sehr katholisch geworden
Brüder von Taizé beim Europäischen Jugendtreffen in Berlin zum Jahreswechsel 2011/2012: Wieviel ökumenischer Geist ist noch übrig? (Foto: Ruettimann)
Brüder von Taizé beim Europäischen Jugendtreffen in Berlin zum Jahreswechsel 2011/2012: Wieviel ökumenischer Geist ist noch übrig? (Foto: Ruettimann)

Am Abend werden vier Ausstellungshallen am Berliner Funkturm zu spirituellen Orten. Das Flackern der Kerzen erhellt die Dunkelheit. Auf dem Boden sitzen viele Hundert Jugendliche eng beieinander. In der Mitte knien, in weißem Habit, Mönche aus dem ökumenischen Kloster Taizé. »Da pacem domine«, gib uns Frieden, Herr: In mehreren Sprachen gleichzeitig wird das Lied gesungen, eine angenehme europäische Vielstimmigkeit. Dann für einige Minuten tiefes Schweigen. »Hier kann ich für ein paar Monate auftanken«, flüstert mir Anja aus Potsdam zu. Pjotr aus Poznan sagt später: »Jetzt zählt nicht die jeweilige Konfession, sondern der gemeinsame Glaube, wunderbar.«

Auf dem Pilgerweg des Vertrauens

Zwischen Weihnachten und Neujahr folgen junge Menschen aus ganz Europa der Einladung der Mönche von Taizé. Sie machen - wie jedes Jahr - in einer europäischen Großstadt halt auf ihrem »Pilgerweg des Vertrauens«. Diesmal haben die Kirchen der Bundeshauptstadt und der Berliner Senat eingeladen. Etwa 28000 junge Menschen sind dabei, 20000 kommen aus allen Teilen Europas, vor allem aus Polen und der Ukraine. In den 1990er-Jahren nahmen noch 100000 Jugendliche an den Treffen teil. Jetzt zeigt sich auch hier die zunehmende Kirchendistanz unter den Jugendlichen. Viele Teilnehmer kennen sich schon von Taizé her. In dem Dorf in Burgund bietet die ökumenische Mönchsgemeinschaft seit fünfzig Jahren Gastfreundschaft und spirituelle Begleitung.

Gründer Roger Schutz wollte die Welt verändern

Der Gründer von Taizé, der reformierte Theologe Roger Schutz (1915-2005), hatte seinen Brüdern eingeschärft, die Botschaft der Bibel als Aufforderung zur Verwandlung der Kirche und der Welt zu verstehen. »Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität« lautet denn auch das Motto des Berliner

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