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vom 07.07.2020
von Peter Josef Dickers, Mönchengladbach

Das Mädchen kann nicht normal sein. Wer gibt nach und nach alles ab, auch das letzte Hemd? Kann man soziales Engagement nicht übertreiben? Führt Selbstlosigkeit nicht in den Ruin?

Blanke Taler sollen vom Himmel fallen? Wir leben nicht im Märchen. Hilfsbereite, gütige Menschen stehen nicht an jeder Straßenecke. Gütige Menschen sammeln keine Pluspunkte für die Ewigkeit.

Dennoch gibt es sie in Krisen-geschüttelten Tagen:

Als der Mitarbeiter einer Supermarkt-Kette an der Kasse seiner Filiale eine Schlange Wartender bemerkte, demonstrierte er, was ihm Mitmenschlichkeit bedeutet. Die EC-Karte einer Dame funktionierte nicht. Genügend Bargeld hatte sie nicht dabei. Während sie in ihrer Tasche kramte und Kunden bereits genervt reagierten, ging der Mitarbeiter zur Kasse und bezahlte die Rechnung.

Mit einer selbstlosen Aktion rettete ein italienischer Priester einem erkrankten Mitpatienten das Leben. Er überließ ihm sein Beatmungsgerät und starb kurze Zeit darauf. Kommentar in den sozialen Netzwerken: »Andere würden in einer solchen Lage nicht einmal eine Rolle Klopapier hergeben.«

Sieben Wochen wartete Lisa aus der englischen Grafschaft Norfolk darauf, ihre Tochter in die Arme schließen zu dürfen. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Pflegerin vor eine schwierige Wahl gestellt. Sie musste sich entscheiden zwischen ihrem Job und ihrer kleinen Tochter.

Silke arbeitet als Reinigungskraft in einer Klinik. Ihre Station wurde im Zuge der Corona-Pandemie als Isolationsstation festgelegt. Ein Rollwagen mit Schutzkleidung und Desinfektionslösungen steht vor jedem Krankenzimmer. Ein Merkblatt mit genauem Ablaufplan zeigt Silke, wie sie die Schutzkleidung anzulegen hat. Diese lässt kein Lüftchen an die Haut. Wenn die Pflegerin das Patientenzimmer verlässt, muss sie alles wieder ausziehen und sich für das nächste Zimmer neu einkleiden.

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Es gibt in diesen Tagen

- Menschen, denen man nicht zutraut, was sie sich zutrauen;

- Menschen, die tun, was ihnen möglich ist.

Sterntaler sind sie für mich. Nächstenliebe praktizieren sie, ohne zu fragen, ob der Nächste Anspruch darauf hat.

Mit dem »letzten Hemd« hatte ich Probleme. Jetzt nicht mehr.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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