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Neue Möglichkeiten sehen und Frieden spüren

vom 30.05.2020
von MMchen

Die Corona-Pandemie ist ein Thema, das unseren Alltag bestimmt, mit dem sich jeder inzwischen eingehend beschäftigt hat. Es gibt massenhaft Fakten aus verschiedenen Lagern. Darum geht es hier nicht. Weder um Entstehung noch um Verhaltensregeln oder die Sinnhaftigkeit verschiedener Maßnahmen.

Interessant ist aber doch, wie jeder persönlich mit dieser Situation und vor allem mit den Einschränkungen im Alltag umgeht. So etwas gab es noch nie: Jeder Mensch auf der ganzen Welt ist dieser Situation ausgesetzt. Egal ob arm oder reich, ob jung oder alt, gesund oder krank – man kann sich nicht freikaufen, man kann nicht weglaufen.

Die Lebenswelten – und damit das persönlich erlebte Leid – sind allerdings sehr unterschiedlich.

Wenn ich als alter, alleinstehender Mensch auf unbestimmte Zeit auf persönlichen Kontakt und damit auf einen großen Teil meiner Lebensfreude verzichten muss, weil man mit bester Absicht für mich entschieden hat, dass ich vor Ansteckung geschützt werden muss, kann es sein, dass ich sehr unglücklich bin und mich darum lieber für den Kontakt und damit das Risiko einer Ansteckung entscheiden würde. Wenn ich könnte.

Als Elternteil im Homeoffice mit kleinen Kindern bin ich permanent auf hohem Stresslevel, weil ich zu wenig Freiraum habe. Ich brauche vermutlich mehr Gelassenheit, Kreativität und Liebe, als ich habe, weil ich einfach keine Möglichkeit habe aufzutanken.

Und wenn ich um mein Einkommen und damit meine Lebensgrundlage fürchten muss und darum an den Maßnahmen verzweifle und mich frage, warum Alte und Kranke im Schutz-Fokus stehen und nicht ich, brauche ich enorm viel Solidarität, Zuversicht und kreative neue Verdienstideen, um der Verzweiflung zu entkommen.

Letztlich ist aber jeder aufgerufen, sich seiner persönlichen Situation zu stellen und das Beste daraus zu machen.

Alles kommt und geht. Nichts bleibt ewig. Allein wichtig ist, wie wir damit umgehen, wie wir es bewerten und für uns nutzen. Unser Blick auf die Dinge macht unser Leben aus. Nicht die Umstände.

Wie empfinde ich mein Leben in dieser Zeit? Wie belastend ist der Wegfall der persönlichen Kontakte? Entdecke ich neue Arten der Kommunikation? Empfinde ich den selteneren Austausch als intensiver, kostbarer? Stärkt die gemeinsam erlebte Krise die Verbundenheit?

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Empfinde ich mehr Trauer, Frust oder Ärger durch den Wegfall regelmäßiger Treffen? Oder auch Erleichterung und neue Freiheit? Welche neuen Räume öffnen sich für mich in dieser Zeit?

Was sagt mir das über mich selbst?

Ich fühle mich ein bisschen wie in den großen Schulferien. Obwohl ich keine Kinder in der Schule habe. Mein Kalender lockt mit unbeschriebenen Blättern. Lädt mich geradezu ein, Neues zu entdecken. Und ich entdecke lustvoll Neues und erleichtere mich mit überfälligen Aufräumaktionen. Ich spüre, dass ich meinen Terminkalender regelmäßig überlade. Jetzt frage ich mich, warum? Wo sehe ich meinen persönlichen Entscheidungsspielraum? Wie kann ich diesen sinnvoll nutzen?

Fast täglich denke ich momentan an mein Lieblingsgebet:

Gott, gib mir
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr)

Denn wenn wir annehmen können, was nicht zu ändern ist, sehen wir plötzlich neue Möglichkeiten und spüren Frieden.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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