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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2020
Mission impossible
Kolonialismus und Rassismus in christlichem Gewand
Der Inhalt:

Mission impossible

von Viola Rüdele vom 12.06.2020
Die koloniale Vergangenheit ist in der deutschsprachigen Theologie ein blinder Fleck. Aber das Bewusstsein für die Verstrickung der Missionare in die Unterdrückung wächst
Raumgreifend: Das koloniale Denken bestimmte die christliche Mission über Jahrhunderte (Fotos: istockphoto/Evgeny Kuklev; akg-images / arkivi)
Raumgreifend: Das koloniale Denken bestimmte die christliche Mission über Jahrhunderte (Fotos: istockphoto/Evgeny Kuklev; akg-images / arkivi)

Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land.« Diese populäre afrikanische Redensart beschreibt Mission aus der Sicht der Missionierten. Die Missionare haben demnach nicht nur die Bibel und damit das Christentum nach Afrika gebracht, sondern Raum eingenommen. Mehr Raum, als ihnen zusteht – im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Denn die europäisch geprägte Theologie dominiert bis heute. Etliche Theologinnen und Theologen fordern daher, diese zu provinzialisieren. Doch was heißt das? Und wie geht ein Perspektivwechsel?

»Es geht darum, das eigene Verwobensein mit Gewaltstrukturen erst einmal zu analysieren – und dafür braucht es die Instrumentarien schwarzer Kritik«, sagt die Theologin Eske Wollrad, die zu Rassismus und Postkolonialismus geforscht hat. Das helfe, die blinden Flecken zu erkennen: Wo übt die Theologie heute noch Macht gegen ehemals Kolonialisierte aus – und schließt Menschen aus der Kirche aus? Gerade außereuropäische, nichtwestliche Stimmen – etwa Befreiungstheologie oder Schwarze Theologie – werden oft als »kontextuelle Theologien« an den Rand geschoben. Der Verweis auf den Raum, in dem sie sprechen und der sie prägt, dient dann zur Relativierung. So könne eine Theologin aus Botswana nur für ihr Umfeld sprechen. Europäische Theologen sind es jedoch gewohnt, für alle zu sprechen. Und verhalten sich entsprechend. Dabei wirkt (bewusst oder unbewusst) der koloniale Gedanke nach, dass Europäer den Afrikanern überlegen seien. Den ersten Missionaren ging es nicht primär um Landbesitz. Sie wollten die Seelen der »Ungläubige

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