Zur mobilen Webseite zurückkehren

(Kein) Widerstand gegen Rechts

von Britta Baas vom 20.07.2019
20. Juli 1944: Vor 75 Jahren scheitere ein Putsch gegen Hitler, der auch in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands lange nicht gewürdigt wurde. Was haben die Kirchen getan? Was tun sie heute?
Bildwand in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock: Die Porträts von 176 Mitverschwörern des Hitler-Gegners Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg (rechts) zeigen, dass der Kreis groß war. (Fotos: pa/Brexendorff Michael; pa/akg)
Bildwand in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock: Die Porträts von 176 Mitverschwörern des Hitler-Gegners Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg (rechts) zeigen, dass der Kreis groß war. (Fotos: pa/Brexendorff Michael; pa/akg)

Das Urteil von Johannes Tuchel ist eindeutig: »Einen organisierten Widerstand der christlichen Kirchen in Deutschland in den Jahren zwischen 1933 und 1945 hat es nicht gegeben.« Der Politikwissenschaftler und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin spricht – völlig zu Recht – vom »Widerstand einzelner Christen gegen die Hitler-Diktatur«. Christen, die von ihren Amtskirchen stark im Stich gelassen wurden. Was war der Grund?

Katholischerseits war der Dissens mit der Ideologie der Nazis groß. Doch nachdem Hitler bereits 1933 signalisierte, den Kirchen Selbstbewahrung im Staat, Rechte und Bekenntnisfreiheit zu gewähren, ließ man sich auf einen Deal ein: Mit Abschluss des Reichskonkordats hoffte man, für die Katholikinnen und Katholiken im Lande möglichst viel herauszuholen – und die dunklen Zeiten in Selbstbewahrung überdauern zu können. Ein Fehlschluss. Das Regime hielt sich vielfach nicht an das Abkommen. Dennoch gelang es dem deutschen Episkopat bis 1945 nicht, sich auch nur einmal zu einem gemeinsamen, geschlossenen, für die Katholiken im Lande vorbildhaften und stützenden öffentlichen Protest durchzuringen. Auch hier waren es einzelne, die dies taten. Die Skrupel, sich in fundamentaler Weise gegen die Staatsmacht zu richten, waren in Zeiten der Obrigkeitshörigkeit und des Gefühls der inneren Verpflichtung zu Treue und Respekt vor dem Staat groß.

Evangelischerseits lag die Sache etwas anders. Schon früh signalisierten weite Teile des Kirchenapparats Konsens mit dem neuen Regime. Eingeübt in ein Bündnis zwischen Thron und Altar, wie man es aus der Kaiserzeit kannte, schienen sich die Möglichkeiten dazu nun zu wiederholen. Ein krasser kirchlicher Antisemitism

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen