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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2019
Abschied von Gandhi
150 Jahre nach seiner Geburt herrschen in Indien Gewalt und Fanatismus
Der Inhalt:

»Jetzt wäre Mut gefragt«

von Hartmut Meesmann vom 04.10.2019
Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald über folgenreiche Fehlentscheidungen, korrigierte Glaubenslehren und Fundamentalismus in der Kirche
Deutschlands jüngster Dogmatikprofessor: Michael Seewald (Foto: privat)
Deutschlands jüngster Dogmatikprofessor: Michael Seewald (Foto: privat)

Publik-Forum: Herr Seewald, viele Katholiken beklagen einen riesigen Reformstau in ihrer Kirche. Was ist aus Ihrer Sicht heute besonders dringlich?

Michael Seewald: Die Kirche muss aufpassen, dass sie nicht dauerhaft die Anforderungen unterbietet, die heute an eine gute und gerechte Gemeinschaft gestellt werden. Wenn sie zum Beispiel offiziell lehrt, Frauen und Männer hätten die gleiche Würde, aber nicht die gleichen Rechte, ist das für die meisten Katholiken nicht mehr akzeptabel. Es widerspricht den sozialen Standards, die wir alltäglich praktizieren und einfordern. Zu sagen, dass in der Kirche alles anders sein müsse, weil ihre Ordnung von Gott stamme, ist ein schwaches Argument. Warum sollten sich, scholastisch gesagt, Natur- und Erlösungsordnung derart widersprechen, dass die Gleichberechtigung von Frauen im weltlichen Bereich gut, im kirchlichen Bereich aber unmöglich sein soll? Ein zweiter Punkt: Die Kirche braucht eine Beziehungsethik, nicht nur eine Sexualmoral. Die Ehe hat als Sakrament besondere Bedeutung. Es gibt aber Gestalten des Zusammenlebens, die nicht die Form der Ehe annehmen – sei es, weil die Partner es nicht wollen, sei es, weil die Kirche ihnen die Eheschließung verwehrt. Bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist das zum Beispiel der Fall. Auch in solchen Verbindungen kann viel von dem gelebt werden, was die Kirche hochschätzt. Das sollte sie würdigen.

Begründet wird die Position zu Geschlechterrollen und zur Homosexualität oft mit der Natur. Daraus könne man ableiten, was natürlich und gottgewollt ist.

Seewald: Die katholische Theologie kann auf den Naturbegriff nicht ganz verzichten.

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