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Ich bin skeptischer geworden

vom 24.08.2020
von Dr. Margret Peek-Horn, Linnich

Die Coronakrise eine Chance?

Aus einer Krise geht man nicht unverändert hervor, meint Papst Franziskus: entweder komme man besser oder schlechter aus ihr heraus. Zur alten Normalität könne man nicht zuückkehren, sondern müsse neue Wege für eine heilere Welt suchen.

Diese Meinung kann ich gut teilen. Aber ich bin viel skeptischer geworden seit der Lockerungs- und Urlaubszeit und der Zeit der Proteste gegen alle Sicherheitsmaßnahmen der Gesellschaft. Kopflos wie die Lemminge kommen mir viele vor, die so tun, als gäbe es die Pandemie nicht oder als ginge diese sie selbst nichts an oder als nähme man einem Freiheiten weg, wenn man Spielregeln gesellschaftlicher und mitmenschlicher Verantwortung einfordere.

In der ersten Phase von Corona, als man auf den Balkonen gegen die Angst und Vereinsamung angesungen und musiziert hat, als man Hunderte von Masken nähte und verschenkte an Freunde, Obdachlose und Pflegende, da hatte ich gehofft, dass wir Menschen verstanden haben, dass unsere überstrapazierte Welt den Atem anhielte und uns ihre Wunden zeigte.

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Aber nach der Urlaubszeit und den vielen »Mein-gutes-Recht-Urlaubern«, die zu Tausenden infiziert heimkommen und ihre Umgebung verunsichern, da bin ich mir nicht mehr sicher, dass man mit all den Mitmenschen noch Zukunft wagen kann. »Must-have«-Menschen werden der schon überverbrauchten Erde und ihren Wunden nichts zugestehen, was Verzicht oder Andersdenken erforderte. Alle wissen natürlich um die kranke Erde, alle spüren die wochenlangen Hitzewellen und Dürreperioden, alle wissen, dass Wasser immer kostbarer wird und verantwortungsvoll gebraucht werden sollte. Aber die gepamperten Mitmenschen sind unfähig oder wollen nicht umdenken.

Ich bin viel vorsichtiger unterwegs als in den ersten Monaten von 2020. Weiß ich denn, ob der Mitmensch in der Bahn oder im Supermarkt, auf der Straße oder auf der Parkbank nicht Familienmitglieder daheim hat, die infiziert aus dem Urlaub gekommen sind und so weiterleben, als sei alles wie vorher und beim Alten? Ich kann mich weniger der Verantwortung meiner Mitmenschen anvertrauen, muss fast ausschließlich für mich selbst sorgen und auf mich aufpassen, weil ich nicht mehr sicher bin, dass andere das tun. Gegen Corona wird man vielleicht in der kommenden Zeit einen Impfstoff und Medikamente finden, aber gegen sich ausklinkende, verantwortungslose Mitmenschen gibt es keine Hilfsmittel. Mit ihnen kann Zukunft nicht gelingen. Das macht mich traurig, hoffnungslos und müde.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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