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Hans Küng: Ein Vordenker wird 90

von Karl-Josef Kuschel vom 18.03.2018
Es gibt immer wieder Menschen, die Geschichte schreiben. Manche schreiben Kirchengeschichte. Der Schweizer Hans Küng ist einer von ihnen. Am 19. März wird er neunzig Jahre alt. Karl-Josef Kuschel würdigt den Theologen und Kollegen
Hans Küng bei einem Fototermin im März 2015: Der aus der Schweiz stammende Theologe lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Tübingen. Hier ist auch seine Stiftung Weltethos angesiedelt. (Foto: pa/Naupold)
Hans Küng bei einem Fototermin im März 2015: Der aus der Schweiz stammende Theologe lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Tübingen. Hier ist auch seine Stiftung Weltethos angesiedelt. (Foto: pa/Naupold)

In über sechzig Jahren ist sein Werk gewachsen. Und er selber hat diesen Wachstumsprozess einmal mit konzentrischen Kreisen verglichen. Sie gehen von einer Mitte aus und erweitern sich, Kreis für Kreis.

1957 beginnt Hans Küng mit einer brillanten Dissertation zur Rechtfertigungslehre, einem zentralen Lehrsatz des Protestantismus, und arbeitet sich in das Werk des damals größten protestantischen Theologen, Karl Barth, so ein, dass er einen Konsens feststellen kann zwischen ihm und der – recht verstandenen – katholischen Lehre. Eine Pioniertat mit unschätzbaren Folgen für die Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten. Dreißig Jahre ist Hans Küng damals alt, und sein Name hat Signalwirkung für eine neue, zeitgemäße katholische Theologie.

Im Konflikt mit Rom

Diesen ersten Kreis (Kirche, Ökumene) bearbeitet er jetzt weiter. Theologie kann sich für ihn nicht länger auf Selbstbestätigung des eh und je Katholischen reduzieren, sondern sieht sich im Dienst an der inneren Erneuerung der katholischen Kirche und der Versöhnung zwischen den getrennten Christen. Küng ist zur Stelle, als das Zweite Vatikanische Konzil 1962 eröffnet wird, bereitet es durch seine Programmschrift »Konzil und Wiedervereinigung« (1960) geistig mit vor und zieht daraus die nötigen Konsequenzen für ein sowohl biblisch fundiertes wie zeitgenössisch gelebtes Kirchenbild (»Die Kirche«, 1967).

Prompt treibt ihn das in die Konfrontation mit dem römischen Lehramt, zumal Küng nach Ende des Konzils (1965) den Reformschub erlahmen sieht und er für diese Reformunwilligkeit nicht zuletzt den Unfehlbarkeitsanspruch des römischen und bischöflichen Lehramtes verantwo

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