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Gottesgeflüster

vom 01.06.2020
von Cristy Orzechowski
(Foto: Cristy Orzechowski)
(Foto: Cristy Orzechowski)

Sie blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten. Jede Person überkam ehrfürchtiges Staunen; viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle aber, die Vertrauen gefasst hatten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten. Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt. Tag für Tag hielten sie sich einmütig und beständig im Heiligtum auf, brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen, lobten Gott und waren gut angesehen beim ganzen Volk. Der Herr aber ließ täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen. (Apostelgeschichte 42-47, Bibel in gerechter Sprache)

Am Abend dieses ersten Tages nach dem Sabbat, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen saßen aus Angst vor der jüdischen Obrigkeit, da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: »Friede sei mit euch!« Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jüngerinnen und Jünger, dass sie Jesus den Lebendigen sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Friede sei mit euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.« Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und sagte ihnen: »Nehmt die heilige Geistkraft auf. Allen, denen ihr Unrecht vergebt, ist es vergeben. Allen, denen ihr dies verweigert, bleibt es.« (Johannes 20, 19-23, Bibel in gerechter Sprache)

Diese hier beschriebenen urchristlichen Treffen und Gepflogenheiten, die dem Abendmahl Jesu mit seinen Getreuen und dem Aufruf: »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Wiege der Eucharistie …? so wird gesagt …) folgten, waren Kennzeichen des Zusammenlebens und Feierns der Gemeinden.

Nach und nach, haben sie sich vom Ursprung fortentwickelt, so meine ich. Im Abschlussdokument der Amazonassynode (Nr. 109) wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Teilnahme an diesem Mahl Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens sei (Zweites Vatikanisches Konzil). Dass es Symbol des christlichen Leibes sei. Darüber hinaus werden weitere Attribute aufgezählt: Mitte und Höhepunkt der christlichen Gemeinden; Quelle und Höhepunkt aller Evangelisierung! …

Deshalb, so heißt es, wäre der Zugang zur Eucharistie ein Recht der Gemeinden. – Es wird logisch und kritisch bemerkt, wie das möglich sei, bei der heutigen Knappheit der Berufsklasse der Priester, die für dieses Feiern substanziell nötig seien …? An dieser Stelle hört meine Begeisterung über die Vorbildfunktion der Urgemeinde auf. Wir sind so »entstellt« und fernab davon groß geworden … zum Beispiel jetzt, in Zeiten Coronas, sehen wir einsamen Eucharistien im Livestream zu und fragen uns, ob das Gültigkeit hat mit uns Gemeindemenschen »außen vor«? …

Ich frage momentan nur nach innen hinein … Welcher Trost wäre es besonders zum Emmaus-Tag gewesen, mit einem kleinen Abstand haltenden Menschenkreis dieses Mahl zu feiern, da wir uns beim Brotbrechen erkennen, beim Teilen der Speisen, der Angst wie auch der Hoffnung; und uns der Geborgenheit in Liebe gewahr würden, die dem Virus nicht erliegt …

Ein Solches erfahre ich im Außerhalb der Livestreams, wenn Mahl Wirklichkeit werden kann, weil junge Leute, die vielleicht, nicht oft in den Gottesdiensten zu sehen sind, hier Gottesdienst im Abseits unserer Kirchen erleben lassen, jedoch nicht abseits des Evangeliums! Beispielsweise Jugendliche, welche mir, einer ihnen fremden Person, Speis und Trank ins Haus tragen! Ich segne regelmäßig diese Gaben in meinem häuslich-heiligen Gebetsort; verweile an meiner aufgestellten Coronakerze; bete für all diese GottesdiensthelferInnen und danke und preise wie Petrus:

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, eine lebendige Hoffnung haben:
Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. (1 Petrus 1; 3, 6-7)

Werden uns solche und andere goldwertige Erfahrungen (ich nenne sie auch Gottesgeflüster) jetzt in diesen Zeiten wieder zum Wesentlichen unserer Agapen und Eucharistien zurückfinden lassen …?

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Werden wir uns verbinden mit Urbi et Orbi, mit dem gesamten Erdkreis …? Werden wir Agape feiern mit den armen, um ein vielfaches mehr betroffenen Ländern, oder werden wir uns auf uns nützenden, alten Gesetzen ausruhen?

Werden wir die Auferstehung und Geburt des neuen Menschen leugnen, verraten?

Wir sind beauftragt und aufgefordert, durch die verschlossenen Türen unserer Gräber … aufzubrechen, um Frieden zu bringen. Wie? …

Es gibt nur eine Antwort: Nehmt die heilige Geistkraft auf!

Vergebliche Glaubensbekenntnisse

Viel zu viele Glaubensbekenntnisse verlaufen sich bei Orgelmusik
und Pauken und Trompeten
bei Böllerschüssen und Herrengeschwätz
in der Vergeblichkeit.
Sie bringen das Geklirr der Ketten
nicht zum Schweigen,
verwandeln nicht, wie angesagt,
die Herzen aus Stein,
ändern nichts an den von uns geschaffenen Hungerreservaten,
lassen uns das blaue Wunder
nicht erleben.
Denn nur getaner Glaube
weckt die Himmelskraft:
ICH GLAUBE,
ALSO
LIEBE ICH.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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