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Ein Käfer namens Karl – vom Staunen und Wundern

vom 08.05.2020
von Gerhard Engbarth, Bad Sobernheim
Käfer Karl auf der Hand von Johanna, deren Papa Moritz ein Erinnerungsfoto von den zwei neuen
Freunden gemacht hat. Foto: Moritz Schlarb
Käfer Karl auf der Hand von Johanna, deren Papa Moritz ein Erinnerungsfoto von den zwei neuen Freunden gemacht hat. Foto: Moritz Schlarb

Am 28. März hat mir mein Freund Moritz zwölf Fotos zugemailt, die er von seinem acht Wochen alten Sohn Jannis gemacht hatte, von dessen dreijährigem Schwesterchen Johanna und von beiden zusammen mit ihrer Mutter Tina. Ein Bild ist mir auf den ersten Blick ins Auge gesprungen: Johanna mit einem Marienkäfer auf ihrem Händchen. Ich war schon etwas müde, als ich das Foto betrachtete und auf einmal zwei Stimmen hörte, erst undeutlich, doch als ich die Augen schloss und mich aufs Hören konzentrierte, konnte ich jedes Wort verstehen, das die beiden sagten:

JOHANNA: Wer bist du?
DER KÄFER: Ich bin ein Marienkäfer. Und du?
JOHANNA: Ich bin ein Kind.
DER KÄFER: Und wie heißt du?
JOHANNA: Ich heiße Johanna. Und du?
DER KÄFER: Sehr erfreut. Ich heiße Karl.
JOHANNA: Im Kindergarten haben wir auch einen Karl, aber der ist kein Käfer, sondern ein Kind.
KARL: Soll ich mal auf deine Nasenspitze fliegen?
JOHANNA: Auf meine Nasenspitze fliegen? Das will ich sehen.

Karl nimmt Anlauf und hebt ab. In großem Bogen umkreist er Johanna und landet auf deren Nasenspitze. Mit Riesenaugen folgt sie seinem Flug. Als er gelandet ist, schielen Johannas Augen.

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JOHANNA: Boaaah … wie machst du das?
KARL: Einfach die Flügel auf und ab bewegen.
JOHANNA: Zeigst du mir, wie das geht?
KARL: Na klar. Aber warte mit dem Fliegen, bis du heute Abend im Bett liegst.
JOHANNA: Ich finde Fliegen wunderbar!
KARL: Ich auch. Die Welt ist voller Wunder. Von morgens bis abends kann man staunen und sich wundern.
JOHANNA: Ich wundere mich auch. Weißt du, worüber?
KARL: Worüber?
JOHANNA: Dass sich manche über gar nichts wundern.
KARL: Das wundert mich auch.
JOHANNA: Warum ist das so?
KARL: Ich glaube, sie vergessen es, wenn sie groß werden.
JOHANNA: Meinst du, wir vergessen es auch?
KARL: Wenn wir uns gegenseitig erinnern, nicht.
MORITZ: Apropos, gut, dass ihr mich erinnert: Wisst ihr, was wir Erwachsene zurzeit vergessen?
JOHANNA und KARL: Was denn?
MORITZ: Wie viel Schönes es trotz Corona noch zum Wundern und Staunen gibt.
JOHANNA: Kann Karl mit uns nach Hause kommen, Papa?
KARL: Besser nicht, aber heute Nacht besuch ich dich. Dann fliegen wir zusammen.
MORITZ: So, Johanna, dann lass uns mal gehen. Sag deinem neuen Freund »Adieu« oder sag »Alla dann«. Das ist Mundart und bedeutet: Okay, mach’s gut, lass uns gehen.
JOHANNA: Das gefällt mir. Alla dann, Karl!
KARL: Alla dann, Johanna und Moritz!
GERHARD: Alla dann, Ihr drei! Und Ihr, liebe Leser, alle miteinander ebenso!

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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