Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Die Offenbarung der Zeitlupe

von Anne Strotmann vom 11.08.2017
Weckrufe zum Geheimnis von Leben und Tod: Der Videokünstler Bill Viola schöpft seine Bilder aus mystischen Traditionen
Video- und Installationskünstler Bill Viola (links) vor einem Flammenmeer: »Fire Woman« entstand für eine Inszenierung der Wagner-Oper »Tristan und Isolde«. Die Hamburger Ausstellung ist noch bis zum 10. September 2017 zu sehen. (Foto: pa/dpa/Axel Heimken)
Video- und Installationskünstler Bill Viola (links) vor einem Flammenmeer: »Fire Woman« entstand für eine Inszenierung der Wagner-Oper »Tristan und Isolde«. Die Hamburger Ausstellung ist noch bis zum 10. September 2017 zu sehen. (Foto: pa/dpa/Axel Heimken)

Schon bevor man die große Halle betritt, hört man lautes Rauschen. Drinnen ist es finster und leer. Auf einem Teppich haben sich Besucher niedergelassen. Ihre Gesichter leuchten im Schein einer monumentalen Leinwand. Darauf sieht man einen regungslosen Körper auf einer Betonplatte liegen. So stellt man sich Jesus im Grab vor. Oder Lazarus. Jeden Toten. Langsam lösen sich von dem weiß gekleideten Körper einzelne Wassertropfen und steigen nach oben. Es werden mehr und mehr, ein umgekehrter Wasserfall in Zeitlupe, der Körper windet sich, eine unsichtbare Kraft zieht ihn mit all dem Wasser unaufhaltsam nach oben, ätherisches Licht umhüllt ihn, er ist kaum noch zu unterscheiden von dem Wasser das ihn umgibt. Schließlich verschwindet der Körper an der oberen Grenze der Leinwand.

Über zehn Minuten dauert dieses Video, es heißt »Tristan’s Ascension« (wörtlich: Tristans Aufstieg). Eine gewaltige Himmelfahrt in Zeitlupe, begleitet vom Tosen des Wassers. Zurück bleiben die leere Betonplatte und die schweigenden Besucher davor.

Andächtiges Schweigen erfüllt auch die übrigen Räume der Deichtorhallen, wo bis zum 10. September 13 Arbeiten des amerikanischen Videokünstlers Bill Viola zu sehen sind. Geburt und Tod, Leiden und Erlösung, Transformation und Transzendenz sind die großen Themen des »Rembrandt des digitalen Zeitalters«. Nicht ohne Grund behaupten die Ausstellungsmacher, der 66-jährige Künstler habe die Hallen in eine »Kathedrale des 21. Jahrhunderts« verwandelt. Wo sonst sieht man Menschen dieses bewegten, beschleunigten Zeitalters über lange Zeit vor Wänden sitzen, ewig langsame Bilder einer Szene meditierend?

Bill Viola hat sich lange und ernsthaft mi

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.