Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2020
Berühre mich!Aber fass mich nicht an
Leben, lachen, glauben in Corona-Zeiten
Der Inhalt:

Die Corona Klausur

von Martin Rötting vom 30.03.2020
Wir haben sie uns nicht ausgesucht, aber jetzt müssen wir irgendwie damit umgehen. Religionen haben viel Erfahrung mit Zeiten des Rückzugs. Davon können wir profitieren. Sieben Empfehlungen
 Profi in sozialer Distanz: Der Säulensteher Daniel in einem Gemälde aus dem 11. Jahrhundert (Foto: the picture art collection/alamy photo)
Profi in sozialer Distanz: Der Säulensteher Daniel in einem Gemälde aus dem 11. Jahrhundert (Foto: the picture art collection/alamy photo)

Alle Religionen kennen Phasen des Rückzugs. Oft dienen sie dazu, innere Orientierung oder spirituelle Wegweisung zu erhalten. Es gibt festgesetzte Zeiten (etwa die Fastenzeit), aber auch Retreats, oft vor oder zum Wechsel von Lebensphasen. Im Umgang mit Klausur sind sich die spirituellen Traditionen erstaunlich ähnlich. Das Wort Mönch bedeutet »allein«, ein Kloster verkörpert die Idee, allein in Gemeinschaft zu leben. Viele von uns müssen derzeit wie ein Mönch oder wie in einem Kloster leben. Natürlich haben wir die Corona-Klausur nicht gewählt. Aber vielleicht können wir aus Erfahrungen spiritueller Traditionen schöpfen, um mit der belastenden Situation besser umzugehen.

1. Strukturiere den Tag: Kirchenglocken läuten, um die Gemeinde zum Gebet zu rufen. Früher hielten Menschen auf den Feldern inne für ein kurzes Gebet, Psalmen oder ein Lied. In muslimischen Gegenden hört man den Imam. »Unterbrechung«, so Johann Baptist Metz, ist die kürzeste Definition von Religion. Man kann ein Lied singen, um Pausen zu strukturieren. Man kann beten, zur gleichen Zeit gemeinsam einen Text lesen, in Gedanken oder in der Stille verbunden sein.

2. Entdecke gute Rituale: Viele Rituale drehen sich um Mahlzeiten: Ein Klassiker ist das Tischgebet. Wie wäre es, während des Essens das Handy nicht zu benutzen? Das oft in Klausur praktizierte Schweigen könnte zum Bemühen werden, den anderen wirklich zuzuhören. Vom Kindergarten brachte mein Sohn ein neues Ritual mit: Beim Händewaschen zweimal Happy Birthday singen. Religionen nutzen und erfinden Lieder, die in schwerer Zeit die Stimmung heben. So entstanden die Negro-Spirituals.

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.