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vom 16.06.2020
von Dieter Wechlin, Schweiz

Im Garten der Ahornstrasse 5 versammeln sich am Nachmittag immer wieder einzelne Personen und geniessen die einmalige Stimmung, das ungezwungene Zusammensein und die leckeren Süssigkeiten inklusive kalten und warmen Getränken. Wir setzen uns mit dem obligaten Abstand und begrüssen uns mit dem nötigen Respekt. Selbstverständlich erscheinen unsere Gäste anstandshalber mit desinfizierten Händen im Garten. Interessante, oft auch humorvolle Gespräche ergeben sich von alleine. Philosophische Fragen und alltägliche Probleme stehen im Vordergrund. Leider haben wir keine Virologen oder Epidemiologen am Coronatisch, sodass wir das aktuellste Thema dieser Zeit als Laien »bearbeiten« müssen. Strahlende und lachende Gesichter ohne Mundschutz begegnen sich mit Respekt und geniessen die Tafelrunde in vollen Zügen. Immer wieder erscheint unsere Hündin im Garten und begrüsst die gemütliche Tafelrunde und kontrolliert vorsichtshalber, ob die Risikogruppe AHVplus [AHV: eine Schweizer Rentenkasse] die Empfehlungen des BAG [Bundesamt für Gesundheit] auch wirklich befolgt.

Nach einigen Stunden verlassen uns die Gäste frohen Herzens wieder, und der Coronatisch bleibt alleine zurück und stellt mir einige Fragen. Nachdenklich setze ich mich wieder hin und stelle mir die folgenden Fragen:

 warum derselbe Gartentisch im Vergleich zu früheren Jahren einen so unterschiedlichen Nachmittag erleben konnte;

 warum uns die grosse Freude des Zusammenseins mit altbekannten Personen ausgerechnet in der momentanen Krise grösser erscheint;

 warum uns der einladende Garten in früheren Zeiten nicht ebenso glücklich gestimmt hat;

 warum man nicht früher schon die einmalige Lebenskraft spüren konnte und das Leben als Geschenk zu schätzen wusste.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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