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Damit wir klüger werden

von Wolfgang Kessler 30.05.2015
Warum Sie das Publik-Forum-Zentrum während des Kirchentages in Stuttgart unbedingt besuchen sollten. Eine Einladung. Von Wolfgang Kessler
»... damit wir klug werden«: Die Losung des Evangelischen Kirchentags immer im Kopf, schreibt die Redaktion für Sie ein Tagebuch aus Stuttgart. Schauen Sie auf www.publik-forum.de vom 3. bis zum 7. Juni täglich vorbei! (Foto: pa/dpa/Daniel Naupold)
»... damit wir klug werden«: Die Losung des Evangelischen Kirchentags immer im Kopf, schreibt die Redaktion für Sie ein Tagebuch aus Stuttgart. Schauen Sie auf www.publik-forum.de vom 3. bis zum 7. Juni täglich vorbei! (Foto: pa/dpa/Daniel Naupold)

Seit 1987 habe ich jeden Evangelischen Kirchentag besucht. Kirchentage sind einmalig. Denn zu keinem anderen Ereignis treffen sich in Deutschland oft weit mehr als 100.000 Menschen, um über tiefe politische, gesellschaftliche und persönliche Fragen zu diskutieren.

Kirchentage: staatstragend?

Dies tun Kirchentage immer noch. Aber: Sie haben sich verändert. Seit Jahren verlieren sie politisch, aber auch kirchenpolitisch an Brisanz. Während Spitzenpolitiker noch vor Jahren in harte Diskussionen verwickelt wurden, dürfen sie sich inzwischen vor allem selbst gut darstellen. Dadurch haben Kirchentage etwas Staatstragendes.

Auch theologisch und kirchenpolitisch drängt man für meinen Geschmack zu häufig auf Harmonie. So kam eine harte Debatte über die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Institutionen auf dem Hamburger Kirchentag im Jahr 2013 erst nachträglich ins Programm. Auch strittige theologische Grundfragen, die nicht in die herrschende Lehre passen, werden gerne ausgespart. Insgesamt drängt der Kirchentag immer mehr zur Mitte.

Publik-Forum: Debatten, frei von mächtigen Einflüssen

Angesichts einer Welt im Chaos ist der Wunsch nach Harmonie persönlich verständlich. Allerdings ist er letztlich unbefriedigend, weil Harmonie die Menschen zwar kurzfristig entlastet, aber dennoch ratlos zurücklässt.

Deshalb sind kritische Diskussionen über brisante Themen notwendiger denn. Und deshalb gibt es sie. Im Publik-Forum-Zentrum werden wir mit Ihnen frei von allen Sachzwängen einer großen Institution und frei von den Einflüssen kirchlich-politischer Gremien oder reicher Sponsoren diskutieren. Damit wir alle nicht nur klug werden – wie die Losung des Kirchentages lautet –, sondern klüger.

Über Pazifismus: Margot Käßmann und Eugen Drewermann

Am Donnerstag, 4. Juni, geht es ab 13.30 Uhr um die Zukunft des Pazifismus in einer Welt voller Kriege, in der auch hierzulande zunehmend militaristisch gedacht wird. Um 14 Uhr spricht der Theologe Eugen Drewermann, in den großen Kirchen unbeliebt, über die Befreiung zum Frieden durch die Botschaft von Jesus Christus. Anschließend diskutiert die Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, mit der bündnis-grünen Bundestagabgeordneten Franziska Brantner und dem Menschenrechtsaktivisten Emanuel Matondo aus Angola über den Pazifismus als Gebot der Stunde. Am Samstagabend, 6. Juni, gibt es zudem um 20 Uhr eine Konzertlesung mit Margot Käßmann und Konstantin Wecker in Stuttgart-Möhringen. Eine Veranstaltung, die der Kirchentag offenbar nicht mittragen wollte.

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Wolfgang Kessler: Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern

»Sagenhaft aufrüttelnd«. Friedhelm Hengsbach SJ. »Ein Buch für alle, die in diesem Land etwas verändern wollen.« Stephan Hebel ... /mehr

Welche Religion und welche Kirchen haben Zukunft?

Welche Religion und welche Kirchen brauchen wir in einer Welt, die immer säkularer wird? Darüber debattieren am Freitag, 5. Juni, ab 10 Uhr in unserem Zentrum der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer, die sunnitische Muslimin Seyran Ates und der katholische Theologe Klaus von Stosch. Und selbstverständlich nicht nur untereinander, sondern auch mit Ihnen, dem Publikum! Am Nachmittag zeigen Gespräche mit engagierten Christinnen und Christen, wie der Glaube zur Quelle von mutigem politischem Engagement werden kann. Präsentiert werden Projekte, die zeigen, dass die Kirche oft ein Ort ist, an dem sich Entscheidendes bewegt – nur merken es noch lange nicht alle. Anschließend schildert Pierre Stutz, dass Empörung eine Kraftquelle sein kann, um den Frieden zu fördern.

Crash, Freihandel oder Gemeinwohl-Ökonomie

Mehrere Veranstaltungen befassen sich mit Alternativen zum herrschenden Wirtschaften. Am Freitagabend präsentieren Mathias Weik und Marc Friedrich, die Autoren des Bestsellers »Der Crash ist die Lösung«, ihre provozierende These. Zuvor durchleuchtet der Film »Too big to tell« anschaulich – manchmal schmunzelnd, aber auch kritisch – die Finanzwelt.

Am Samstag-Vormittag, 6. Juni, beschreibt Christian Felber ab 10 Uhr das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie als Alternative zu einem rein rendite-orientiertem Unternehmertum. Am Nachmittag diskutieren wir dann ab 15.30 die Vision eines Fair Trade als Alternative zu den umstrittenen Freihandelsabkommen. Die Kernfrage lautet: Wie kann der Marsch in den ungezügelten Kapitalismus verhindert werden? Vorher spricht der katholische Theologe und langjährige Herausgeber von Publik-Forum, Heinrich Missalla, als 89-jähriger Zeitzeuge einer Zeitenwende über sein Buch »Erinnern um der Zukunft willen«.

Kabarett, Lieder und Leserlounge

Bei allen kritischen Debatten bleibt jedoch immer auch Zeit für Kultur und Gespräch. Am Donnerstag wird das kongeniale Kabarett »Duo Camillo« der Welt und auch der Kirche den Spiegel vorhalten. Am Samstag gibt es um 14 Uhr Gelegenheit zum Mitsingen mit dem Liedermacher Thomas Felder und dem Chor »Lebenslaute-Süd«.

Und die Zeit für Gespräche kommt auch nicht zu kurz. Am Freitag, 5. Juni, und am Samstag, 6. Juni, haben Sie jeweils von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr Gelegenheit, in der Leserlounge das Redaktionsteam kennen zu lernen.

Ich freue mich auf Ihren Besuch!

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