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Gute Lebensveränderungen

vom 20.08.2020
von Dieter Flum, Grenzach-Wyhlen

Meine Frau lebt seit ihrer Jugendzeit mit Multipler Sklerose. Seit etwa 25 Jahren wurde sie in zunehmendem Maße pflegebedürftig. Wir sind jetzt beide Mitte siebzig. Vor dreieinhalb Jahren haben wir schweren Herzens eingesehen, dass die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist. Wir haben uns für ein Pflegeheim in 600 m Entfernung von zu Hause entschieden, was mir häufige Besuche und bestimmte tägliche Pflegehandlungen ermöglichte, die vom Heim nicht in zufriedenstellenderweise geleistet wurden.

Mitte März wurde vom Heim ein absolutes Betretungsverbot verhängt. Eine gleich beantragte Ausnahmegenehmigung wurde strikt abgelehnt. Ich habe eine Stunde überlegt, was für ein Albtraum dies für meine Frau und mich praktisch und psychisch bedeutet. Sie ist seit etwa einem halben Jahr völlig hilflos, kann nicht mal den Rufknopf drücken oder die Pflegebettsteuerung bedienen und wenn es im Gesicht juckt, braucht sie jemand, der diese Unannehmlichkeit beseitigt. In einem Heim, in dem ständig Pflegenotstand herrscht und in dem Empathie nicht im Vordergrund steht, wird es für einen solchen Menschen dann unweigerlich unmenschlich, wenn Angehörige nicht mehr einspringen dürfen. Das Wegsperren, das Trennen von lieben Angehörigen, hat sehr viel Leid und Schmerz bei den Heimbewohnern und deren Angehörigen verursacht. Ich bezweifle, dass dies in dieser rigorosen Form notwendig war. Die vielen Coronafälle in den Heimen zeigen doch, dass nicht die ausgesperrten Angehörigen das größte Risiko für die Bewohner waren, allenfalls ein kleines zusätzliches. Aber um welchen Preis?

Nun, ich habe meine Frau kurzerhand nach Hause geholt, und ich glaube, Gott hat mir dabei geholfen, in den folgenden Wochen alles zu organisieren, um meiner Frau eine gute, ja bessere Pflege als vorher angedeihen zu lassen. War es Zufall, dass eine uns bekannte Pflegekraft gerade ihren geplanten Spanienurlaub absagen musste und sich uns zur Verfügung stellte? War es Zufall, dass auf ein einfaches Inserat hin sich eine Frau bewarb, die wegen Corona in Kurzarbeit gehen musste und sich nun nach 30 Jahren erstmals wieder in ihrem erlernten Beruf nützlich machen konnte und dabei sichtlich glücklich war? Sie meinte, das Beste an Corona wäre, dass sie uns kennengelernt hat.

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Für uns hat das Corona-Virus, das uns bis jetzt verschont hat, zweifellos eine positive Lebensveränderung bewirkt und etwas ermöglicht, was wir uns vorher nicht zutrauten. Gott sei Dank.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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