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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Die Himmelsleitern von Kleinmachnow

von Anett Kirchner vom 21.12.2018
Wo Kleider vom Leben erzählen: Die Textilkünstlerin Anke Mühlig hat aus Stoffspenden Kirchenschmuck gefertigt

Kleinmachnow, DDR, 1976. Der kleine Ort grenzt an Westberlin, getrennt durch eine Mauer: Barbara Neidel, 26 Jahre alt, näht für sich ein Kleid anlässlich der Taufe ihres Sohnes Felix. Aus Leinenstoff, türkis, knitterfrei. Eine Rarität in der DDR. »Der wunderschöne Stoff war natürlich aus einem Westpaket. Wie glücklich waren wir beim Auspacken, und wie oft scherzten wir in unserer Freude: Besser als zehn Ostverwandte ist im Westen eine Tante.« Dies sind sehr persönliche Worte, aufgeschrieben von Barbara Neidel zu einem Kleid, von dem sie sich nie ganz trennen konnte. Diese Geschichte ist nun, 42 Jahre später, ebenso wie der Stoff Teil eines Projektes der Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow.

Insgesamt gibt es 92 solcher »Stoffgeschichten«, die ein Stück Zeitgeschichte aus dem Leben der Menschen in der brandenburgischen Gemeinde dokumentieren und die jetzt in einem Buch veröffentlicht werden. Jede Geschichte ist verbunden mit einem Stoff; etwa einem Taufkleid oder Brautschleier, einer Tischdecke oder Gardine. Der Blick in die Vergangenheit soll den Weg in die Zukunft begleiten. Denn die Auferstehungsgemeinde hat in diesem Jahr eine große Veränderung erlebt: den Umzug von einer alten in eine neue Kirche. Im Gegensatz zu anderen Kirchengemeinden mit sinkenden Mitgliederzahlen wächst die Gemeinde – seit 1990 von 1400 auf etwa 5500 Mitglieder. Kleinmachnow liegt im Speckgürtel von Berlin, und viele Familien zieht es in den idyllischen Ort. Weil die alte Kirche zu klein geworden war, wurde ein neues Gemeindehaus mit Kirchsaal gebaut. Am Ostersonntag war die Einweihung.

Der neue Kirchsaal zeichnet sich vor allem durch seine offene Dachkonstruktion aus. Fensterreihen, die zum Dachfirst zulaufen, geben den Blick in den Himmel frei. Darunter, etwas versteckt zwischen Holzbalken, ziehen sich sieben Meter lange und 74 Zentimeter breite Bahnen aus Stoff. Ihre Gestaltung stellen abstrahierte Akanthusbögen dar. Sie sind gefertigt aus Stoffen zu den 92 Erzählungen.

Tischdecke, Taufkleid, Totenhemd

»Das Projekt sollte den Prozess des Abschieds von der alten Kirche begleiten«, erläutert Pfarrerin Elke Rosenthal. Während sich die einen auf das Neue freuten, sei es für andere schwer gewesen, die Kirche zu verlassen, in der sie getauft und konfirmiert wurden. Viele Tränen seien geflossen. So entstand 2016 die Idee, dass die Menschen persönliche

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