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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

»Wir sollten das Leben feiern«

von Hartmut Meesmann vom 22.12.2017
Eine Begegnung mit dem evangelischen Theologen Jürgen Moltmann, der die »Theologie der Hoffnung« begründete

Es waren verzweifelte Hilferufe. Schreie nach Gerechtigkeit aus einer Situation der Unterdrückung und militärischen Bedrängnis heraus. Flehentliches Bitten, gerichtet an Gott. Sie waren Ausdruck der Hoffnung auf Rettung, auf Gerechtigkeit, auf Erlösung. Nachzulesen in den Psalmen des Alten Testaments. Hoffnung war für die Israeliten nicht nur eine Tugend – so wie Demut oder Barmherzigkeit –, sondern eine Grundhaltung: ein existenzieller und damit zentraler Ausdruck ihres Glaubens.

Hoffnung als Kristallisationspunkt des christlichen Glaubens an Gott – so sieht das auch der evangelische Theologe Jürgen Moltmann. Erstmals systematisch ausformuliert hat er diese Erkenntnis in seinem 1964 erschienenen Buch »Theologie der Hoffnung«, das auch inspiriert war vom »Prinzip Hoffnung« des neomarxistischen Philosophen Ernst Bloch. Damals schrieb Jürgen Moltmann: »Christliche Hoffnung ist Auferstehungshoffnung, und sie beweist ihre Wahrheit im Widerspruch der darin in Aussicht gestellten und verbürgten Zukunft der Gerechtigkeit gegen die Sünde, des Lebens gegen den Tod, der Herrlichkeit gegen das Leiden, des Friedens gegen die Zerrissenheit … Der Glaube ist das Fundament, auf dem die Hoffnung ruht, die Hoffnung nährt und stützt den Glauben.«

Moltmanns Buch wurde ein Bestseller und hat Theologiegeschichte geschrieben. Denn es erschien zu einer Zeit, da soziale und politische Aufbrüche weltweit die Hoffnung auf eine Verbesserung unmenschlicher Lebensverhältnisse nährten. Gleichzeitig sei Hoffnung in der damaligen Theologie »ein Desiderat«, ein Anliegen, ein Wunsch gewesen, sagt Moltmann heute im Rückblick. Seine Hoffnungstheologie, entwickelt für ein befreites Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft, hat die »politische« oder auch »öffentliche« Theologie mit begründet. Politisch und damit öffentlich ist die Glaubenshoffnung für Moltmann deshalb, weil dieser Glaube, »wo immer er sich zur Hoffnung entfaltet, nicht ruhig, sondern unruhig, nicht geduldig, sondern ungeduldig« ist.

So wurde die »Theologie der Hoffnung« zum Nährboden der Befreiungstheologien in Lateinamerika, Afrika und Asien. Ihre Vertreter beschworen einen »biblischen Gott des Lebens und der Befreiung aus jeder Ungerechtigkeit« und begründeten damit auch den politischen Widerstand gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Moltmann: »Wer auf Christus hofft, kann sich nicht mehr abfinden mit der gegebenen Wi

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