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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Kosmisches Vaterunser für Religionslose

Eine religionsübergreifende Meditation als Beitrag zur Vaterunser-Debatte

Das Vaterunser erscheint vielen als ein Gebet, das nur die mitsprechen können, die an Christus glauben und ein personales Gottesverständnis haben. Doch ich möchte zeigen, dass man das Gebet auch in einem umfassenderen Sinn interpretieren kann, vorausgesetzt man teilt die Ansicht, dass die Welt, in der wir leben, größer ist als der Ausschnitt, den wir wahrnehmen, und dass es ein jenseitiges, allumfassendes Bewusstsein gibt. Dann kann ein Gebet sowohl ein Hilfsmittel zur Selbstbesinnung als auch eine Form der Kontaktaufnahme sein.

»Vater unser im Himmel«: Diese Anrede ist vielen unverständlich geworden. Wir reden Gott an, als wäre er ein Mensch. Die Zweifel darüber, ob das Sinn hat, lässt man am besten zunächst beiseite und nimmt wahr, wie man sich fühlt, wenn man so betet. Man spricht »Gott« Eigenschaften zu wie Allmacht oder Allwissenheit. Aber schon der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart sagt: »Nimm ihn ohne Eigenschaft in der stillen Wüste seiner Gottheit namenlos.«

»Geheiligt werde Dein Name«: Wir haben keinen Namen für das jenseitige Bewusstsein, zu dem wir sprechen. Wir wissen auch nicht genau, was »heiligen« bedeutet. Vielleicht »hochschätzen« oder »wertschätzen«. Wir drücken mit dieser Formulierung also eine gewisse Ehrfurcht aus und vergegenwärtigen uns, dass wir im Begriff sind, mit dem jenseitigen Bewusstsein in Verbindung zu treten. Wenn wir dem Gedanken folgen können, dass unser individuelles Bewusstsein und das jenseitige Bewusstsein im Grunde eine untrennbare Einheit bilden, drückt dieser Satz den Wunsch aus, diese Einheit jetzt aufmerksam wahrzunehmen. Meis