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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Zeit für mehr Zeit

von Sophie Ludewig vom 19.12.2014
Wachsen um jeden Preis? Eine evangelische Kirchengemeinde beschloss das Gegenteil. Mit einem Sabbatjahr machte sie gute Erfahrungen

Alles hat seine Zeit, auch das Innehalten«, findet Leif Rother. Er ist evangelischer Pastor an der Stadtkirche St. Marien im Mecklenburg-Vorpommerschen Waren, zu der noch drei Landgemeinden gehören. Nach zwanzig sehr aktiven Jahren, angefüllt mit Kirchensanierungen, dem Aufbau einer Hörspielkirche in der Landgemeinde Federow sowie der Gründung der evangelischen Schule in Waren, hatten sich die Gemeinden zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Nach zwei Jahren Vorbereitung begannen sie im Dezember 2013 ein Sabbatjahr – und lösten damit zunächst Verwirrung aus. »Die meisten Menschen verstehen unter einem Sabbatjahr ja so etwas wie ›Wir sind dann mal weg‹, und so wurden wir im Vorfeld oft gefragt, wie lange wir denn noch zu erreichen seien«, sagt Gemeindepädagogin Susanne Tigges.

Doch darum ging es gar nicht, wie Pastor Rother betont. »Wir wollten sehen, wie wir unser Gemeindeleben in Zukunft gestalten möchten, das kann man nicht mal eben so nebenher erledigen, wenn sich das große Rad ständig dreht.« Also beschloss die Stadtgemeinde nebst den drei Landgemeinden, ein paar Gänge zurückzuschalten: keine Bauprojekte, keine Hörspielsaison in der Federower Kirche, sonntags nur ein einziger regelmäßiger Gottesdienst, schlichtere Projekte. Frei nach dem Motto: »Weniger ist mehr!«

Wird das auf die Dauer nicht langweilig und nach außen unattraktiv? Das Gegenteil war der Fall. »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sich über die neu entstandene Zeit für intensive Gespräche sehr gefreut haben. Wir müssen uns als Gemeinde von dem Gedanken trennen, alles anbieten zu wollen«, sagt Leif Rother. Auch Susanne Tigges hat erlebt, dass Zeit für Begegnungen wichtiger wurde als große Veranstaltungen. »Beim Krippenspiel haben wir einfach mal ein schlichteres Stück gewählt. Die Probenarbeit war entspannter, alle Beteiligten sprachen viel mehr miteinander: ein gesegnetes Projekt.«

Der Versuch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, bestimmte alle Bereiche der Gemeindearbeit. Das kam bei den über 1600 Gemeindemitgliedern gut an. Zum Beispiel bei der Bibelwoche: Da wurde kein buntes Programm mehr auf die Beine gestellt, man las ganz einfach gemeinsam die Texte. Oder bei der Konfirmandenfahrt: Sie wurde nicht als Sightseeingtour ins Ausland geplant, sondern als Ausflug in die nähere Umgebung, auch hier mit vielen Gesprächen untereinander.

Von ander

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