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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Ernsthaftes Ringen

von Wolfgang Gramer vom 19.12.2014
Dass Hans Küng die Selbsttötung bejaht, gründet in einem unerschütterlichen Gottvertrauen. Das respektiere ich, auch wenn ich seine Position nicht teile. Georg Hummlers Kritik an Küng trifft sein Anliegen jedenfalls nicht

Dass Hans Küng bis zur letzten Sekunde die Kontrolle über sein Leben behalten und im Falle einer Demenzerkrankung freiwillig aus dem Lebens scheiden wolle, zeige, dass er ein »Autonomist« sei. Das wirft der Stuttgarter Klinikseelsorger Georg Hummler dem Schweizer Theologen in einem Beitrag für Publik-Forum (23/2014, Seite 42) vor. Küng denke nur an sich selbst, habe Angst vor einer narzisstischen Kränkung und könne Gott nicht wirklich begegnet sein, »sonst müsste er geduldiger und ringender ›unter dem Kreuz‹ ausharren«. Der katholische Pfarrer Wolfgang Gramer aus Metterzimmern weist nachfolgend die Vorwürfe Hummlers gegen Küng zurück.

Zweifellos ist Georg Hummler bewegt und betroffen vom Alltag einer Palliativstation. Bereichernd sind seine Hinweise auf die Mystiker Seuse, Tauler und Eckhart. Obwohl deren Zeit längst vergangen ist, fordern sie uns Heutige heraus mit ihrer Art und Weise, vom Leiden zu sprechen und es in mystischer Weise bewusst anzugehen.

Dennoch kann ich Georg Hummler nicht zustimmen, wenn er Hans Küng vorwirft, Gott zum Objekt seiner intellektuellen Spekulationen gemacht zu haben, ganz zu schweigen von Hummlers Verunglimpfungen eines Theologen, der in der römisch-katholischen Kirche einiges erleiden musste. Der schwierigen Debatte über Sterbehilfe helfen persönliche Angriffe nicht, noch werden sie den Impulsen Küngs gerecht.

Ich habe Hans Küng seit 1963 gehört, als Student in Tübingen, in Vorlesungen, Predigten und Diskussionen. Ich weiß um den tiefen Ernst und das Engagement, mit dem er theologische Themen behandelt. Nicht nur ich, der ich inzwischen mit ihm befreundet bin, sondern viele andere, die ihn als theologischen Lehrer hatten – vor allem in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, wurden von ihm angespornt, sich in der Kirche zu engagieren. In einer Kirche, in der das offene und freie Wort gilt. »Kritische Solidarität« – dies war und ist das Leitwort, und wir haben es bei Küng gelernt und erfahren.

Nun hat der Schweizer Theologe in der Frage der Sterbehilfe eine Position ausgeführt und begründet, in der ich ihm zwar nicht zustimme, die ich aber respektiere, weil ich die Ernsthaftigkeit seiner Darlegung sehe. Mir geht es wie jenem Ehepaar aus Potsdam, dessen Brief er in seinem Buch »Glücklic

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