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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Buch des Monats
Love Parade und Kerkeling

von Norbert Copray vom 19.12.2014
Die Religion der Menschen verändert sich. Eine Spurensuche

Hubertus Lutterbach
Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof
Wie Religion heute lebendig ist.
Butzon & Bercker. 354 Seiten. 24,95 €

Weihnachten – das ist gelebte, populäre Religion. Das ist christliche Kultur, wie sie expressiver nicht sein kann. Mögen auch der Geschenke-Hype und der Konsumstress ihre irren Blüten treiben. Sie verstellen zu leicht den Blick darauf, dass sie nur deshalb funktionieren, weil sie sich einer kulturell tief eingeprägten Weihnachtskultur aus christlichem Fundus verdanken. Wenn jemand auf der Suche danach ist, »wie Religion heute lebendig ist«, so muss er den Spuren einer solchen Kultur folgen. Und er wird entdecken, dass Religion und damit auch christliche Kultur heute auf dreifache Weise gelebt wird: individuell, ganzheitlich, institutionsfern.

Das sind die drei Charakteristika, die der Theologe und Historiker Hubertus Lutterbach in seiner anschaulichen Studie »Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof« analysiert und an zehn Schlüsselphänomenen nachvollziehbar macht. Davon sind fünf beispielhafte Ereignisse, Handlungen und Personen dem »Umgang mit dem Leben« und fünf dem »Umgang mit dem Tod« gewidmet. Dazu gehören etwa die Pilgerreise von Hape Kerkeling, gehören die Liebesschlösser an zahlreichen Brücken, die Rücktritte der Kirchenoberen Margot Käßmann, Walter Mixa und Franz-Peter Tebartz-van Elst, das schriftstellerische Wirken des Benediktiners Anselm Grün und die Hospizbewegung auf der einen Seite; auf der anderen Seite das Sterben von Papst Johannes Paul. II, die Selbsttötung des depressiven Fußballers Robert Enke samt Trauerfeier, das Aufstellen von Unfallkreuzen an den Straßenrändern, die Trauerfeier für die Toten der Duisburger Love Parade im Juni 2010 und der Umgang mit verstorbenen Haustieren.

Es gibt nur wenige Theologen, die sich so zeit- und erfahrungsnah mit religiösen Phänomenen in unserer Gesellschaft befassen, wie es Lutterbach in diesem Buch tut. Oft werden solche Phänomene als Missbrauch religiöser Symbole verstanden oder nicht in ihrer religiösen Aufladung dechiffriert. Lutterbach hingegen zeigt meisterlich, wie aktuelle Phänomene nicht nur in einem religiösen Horizont theologisch und kulturhistorisch gesehen werden können, sondern auch, wie »gesellschaftlich-relevante Trends und Vorlieben auch den Lebensbereich der populären Religion beeinflussen«.

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