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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Handeln, als ob es das Gute gäbe

von Matthias Sellmann vom 19.12.2014
Weihnachten macht sensibel für den Wunsch, dass das Gute stärker sein könnte als das Böse. Daran glaubte auch Jesus von Nazareth – und staunte immer wieder über die Menschen, denen er begegnete

Weihnachten. Man mag es drehen, wie man will: Aber mit diesem Fest geht etwas Magisches einher. Das ganze »Paket« rührt an: Kälte, Jahresende und Jahresbilanz, freie Tage, Nachdenken über Liebesbeziehungen, Glühwein, Kekse, Märkte, Kinder, Rätsel, Bräuche. Selbst diejenigen, die das alles ablehnen, was sich kulturell an den eigentlichen Festanlass angedockt hat, befinden sich noch in ihrer Empörung über Konsumismus, Scheinheiligkeit, Intimterrorismus in einer auffällig starken negativen Abhängigkeit. Denn gerade die Werte, die sie in ihrer ablehnenden Haltung sichern wollen: Ehrlichkeit, Einfachheit, echte Ruhe … lassen sich problemlos in die Zeit des Jahresendes einfügen. Dann lebt man, was man mit der ganzen Hektik des Vorweihnachts-Rummels ja erreichen wollte.

Eine bestimmte religiöse Sensibilität liegt ebenfalls in der Luft. Dies lässt sich ohne jede religiös-institutionelle Vereinnahmung behaupten. Es ist so etwas wie ein diffuses Wunschdenken: Mensch, gäbe es das Gute und im Wortsinn Harmlose – Harm steht in der Wortbedeutung für Kummer, Verschlagenheit, Schaden –, dann wäre das Leben ein Besseres. Gäbe es eine Welt, die die berühmt-berüchtigten leuchtenden Kinderaugen auch in the long run nicht zu enttäuschen vermöchte, weil das Schöne stärkere Macht hat als das Brutale – und könnte ich einen Teil zu dieser Welt beitragen: Ich würde es tun.

Ja, noch in der Verkitschung des Festes, die ja kaum zu leugnen ist und die von massenhaft eingekauften Hirtenfiguren aus dem Erzgebirge über Kuschel-CDs bis zu Männerabenden mit einer freizügigen Stripperin im Nikolaus-Look reichen kann, lässt sich eine bestimmte emotionale Aufladung identifizieren, die irgendwie weicher, gönnerhafter und versöhnlicher ist als sonst im Jahr.

Eine brisante Behauptung

Und damit stellt Weihnachten eine große Frage in den Raum: nämlich, ob diese zahllosen kleinen alltags ästhetischen Frage-Inszenierungen nach »dem Guten« einfach ins Leere und Vergebliche zielen? Oder ob es einen Grund gibt, das Gute tatsächlich nicht nur ersehnen, sondern erzeugen zu können? Für Christinnen und Christen ist dies die Frage schlechthin, die Weihnachten ihnen abverlangt: ob man mit der ganzen Schmückerei, Backerei, Kauferei und Einladerei etwas an sich Sinnloses verzweifelt verdeckt oder etwas an sich Sinnvolles sympathisch artikuliert.

Das Wort »Evan

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