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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Europa, die Vierte Welt

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 19.12.2014
»Sie werden wie Sklaven behandelt«: In einer aufrüttelnden Graphic Novel beschreibt der finnische Autor Ville Tietäväinen das Schicksal illegaler Einwanderer in Spanien

Publik-Forum: Herr Tietäväinen, worum geht es in »Unsichtbare Hände«?

Ville Tietäväinen: Es geht um die Gründe, weshalb so viele Nordafrikaner ihre Heimat verlassen, um in Europa ihr Glück zu suchen. Und es geht um die furchtbaren Bedingungen auf den Gemüseplantagen in Spanien, auf denen viele von ihnen landen. Im Mittelpunkt steht aber auch das Thema Identität. Was passiert mit jemandem, dem das Recht abgesprochen wird, zu existieren? Der sich physisch und mental an die »neue Welt« anpassen muss? Der nicht mehr er selbst sein darf?

Wie kamen Sie als Finne darauf, sich ausgerechnet mit nordafrikanischen Einwanderern zu beschäftigen?

Tietäväinen: Das war aus einem Moment heraus geboren. Ich war in Paris, und auf den Champs Elyssées beobachtete ich plötzlich diese Szene: Ein ärmlich ge kleideter Mann aus Nordafrika verkaufte diese kleinen Superman-Klebepüppchen. Er warf sie gegen die Schaufensterscheiben der edlen Boutiquen, bis ein Ladeninhaber ihn verscheuchte. Gerade der Kontrast zwischen diesen beiden Welten hat mich sehr betroffen gemacht. Ich stand da und blickte in die leeren Augen dieses Mannes und fragte mich: Was ist wohl seine Lebensgeschichte? Warum ist er hier? Was waren seine Hoffnungen, seine Träume? Hat er seine Familie je wiedergesehen? Viele Fragen, aber keine Antworten.

Ihr Comic beginnt und endet mit einem muslimischen Gebet. Welche Rolle spielt Religion in Ihrem Werk und in Ihrem Leben?

Tietäväinen: In meinem eigenen Leben spielt Religion keine Rolle, ich bin nicht gläubig. Aber im Buch ist es ein sehr bedeutendes Thema, weil die Beziehung zu Gott für Marokkaner wichtig ist. Und das war die größte Herausforderung: Mich in die Hauptperson Rashid einzufühlen, sich in seine Situation hineinzuversetzen, zu überlegen, was er als gläubiger Muslim jetzt tun, sagen oder denken würde.

Heißt das, Sie haben sich eingehend mit dem Islam beschäftigt?

Tietäväinen: Ja, ich habe fünf Jahre lang recherchiert und war auch in Spanien und Marokko. Durch Begegnungen mit den Menschen dort habe ich viel über den Islam gelernt. Zusätzlich habe ich Bücher und Studien gelesen zu den verschiedenen religiösen Traditionen in Marokko und innerhalb des

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