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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Die wachen Bürger von Börnicke

von Bettina Röder vom 19.12.2014
Warum sich in einem brandenburgischen Dorf auf einmal neues Leben regte und sich dort heute immer mehr Menschen für Kultur und nachhaltiges Leben engagieren

Alles begann mit der Turmuhr an der alten Feldsteinkirche. Die stand still. Wie hier so vieles stillzustehen schien, als Gabriele und Ekkehard Koch mit ihren beiden Kindern aus Berlin-Prenzlauer Berg ins brandenburgische Börnicke zogen. Das war Anfang der 1990er-Jahre. Die im Schloss untergebrachte Schule für Körperbehinderte aus DDR-Zeiten war ausgezogen, der Landwirtschaftsbetrieb des Guts ebenfalls. Achtzig Prozent der Dorfbewohner waren arbeitslos, vor allem die Jungen wollten weg. Depression lag über dem 450-Seelen-Dorf.

»Entweder wir ziehen wieder weg oder wir engagieren uns hier, das war die einzige Alternative«, erinnert sich der Restaurator Ekkehard Koch. Gemeinsam mit dem Pfarrer und mit Freunden brachte er als Erstes die alte Turmuhr wieder in Gang. »Das war die Zeitansage«, erklärt er, und seine Augen hinter der runden Brille leuchten verschmitzt. Mit anderen Worten: Sie hatten sich entschieden zu bleiben. Wie das ausgehen würde, wussten sie nicht. Doch bald schon lud Gabriele Koch, die Theaterdesignerin, die Kinder im Dorf zum Fest ein. Auf der Streuobstwiese sollte die biblische Geschichte von der Arche Noah nachgespielt werden. So war es am grünen Brett neben der ehemaligen Schule zu lesen. Ullrich Ebert, der heute 89-Jährige Dorfschullehrer, betreut es seit Langem. Etwa zwanzig Kinder kamen. Aber auch skeptische Eltern. Mit übereinandergeschlagenen Armen, erinnert sich Gabriele Koch, standen sie in einiger Entfernung und beobachteten das Treiben.

Doch die Kochs ließen sich nicht beirren. Sie initiierten Malerei unter freiem Himmel, Ausstellungen und immer wieder Feste und Theater mit Kindern. Ekkehard Koch restaurierte die Kirche. Das Interesse der Dorfbewohner an all dem wuchs – und auch die Zahl der Unterstützer für den frischen Wind im Heimatort. Und so gründeten im September 1997 neun Menschen den Verein Kultur-Gut Börnicke. »Unter dem alten Pflaumenbaum«, erinnert sich Gabriele Koch, »saßen wir in unserem Garten beisammen«: mit dem Pfarrerehepaar, den zwei Freunden vom Rundfunkchor, dem einstigen Dorfschullehrer, ihrer Mutter und einer weiteren alten Dame. Ihnen war klar, dass der Mittelpunkt des Dorfes die Kirche und der Gutshof ist. Die Brücke zwischen beiden war allen wichtig.

Da bot es sich an, den alten Speicher im Gut nahe der Kirche zu mieten. Von der Stadt Bernau, die ihn übernommen hatte. Weil gerichtlich e

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