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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

Buch des Monats: Sich verletzbar machen

von Norbert Copray vom 20.12.2013
Hingabe macht uns zu weihnachtlichen Menschen

Hildegund Keul
Weihnachten
Das Wagnis der Verwundbarkeit. Patmos. 144 Seiten. 12,99 €

Sich unverwundbar zu machen ist das Ziel vieler Überlegenheitsgesten und Dominanzbestrebungen. Sie prägen aggressive Verhaltensweisen im privaten wie beruflichen Bereich ebenso wie gesellschaftliche und staatliche Maßnahmen – bis hin zur Totalüberwachung durch staatliche Organisationen und zur permanenten Aufrüstung mit Drohnen. »Wer sich strikt vor Verwundungen schützt, braucht immer mehr Mauern, Rüstungen und Waffen. Dies macht vielleicht unangreifbar. Es macht aber auch unberührbar. Das Leben spielt sich draußen ab, wo man selbst nicht ist. Wer jedoch Hingabe wagt, kann das Geheimnis des Lebens erfahren.« So urteilt Hildegund Keul in ihrem Bändchen über »Weihnachten« und »das Wagnis der Verwundbarkeit«.

Keul leitet die Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und ist außerplanmäßige Theologieprofessorin in Würzburg. Für sie macht »erst die gewagte Hingabe das menschliche Leben human: Menschen, die sich unter Gefahr für den Frieden einsetzen, die Kinder gebären und versorgen, einen sexuellen Missbrauch zur Anzeige bringen«, die einer Diktatur entgegentreten. Dazu gehört für sie auch die gemeinschaftliche Hingabe des Jahres 2013, als die Flutwellen an Elbe und Donau »ein Welle der Hilfsbereitschaft auslösten«. Der »uneigennützige Einsatz war überwältigend; es war ein weihnachtliches Ereignis«.

Die Hingabe wagen, sich verletzlich machen, in der Hingabe das Scheitern riskieren, großzügig sein, miteinander teilen, Ausgeschlossene einbeziehen und das Leben feiern: In solchen Lebensweisen haben wir die Chance, weihnachtliche Menschen zu werden. Keul liest diese Erkenntnis aus den Weihnachtsgeschichten heraus. In einer leicht verständlichen, gleichwohl tief reflektierten Theologie, die Mystisches und Politisches miteinander verbindet, erschließt sie das Weihnachtsgeheimnis: intensiv, anrührend, ergreifend und aktuell.

Um sich zu schützen, schauen viele Menschen bei Not weg wie die Herbergseltern, verwunden andere nach Art der »Herodes-Strategie« oder ignorieren ihr eigenes Wissen über die Not wie die Schriftgelehrten damals. Von den Hirtinnen und Hirten auf dem Feld, von den Sterndeutern, von Josef und Maria aber lässt sich lernen, was es heißt, dem

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