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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

Die Seele spricht in Farben

von Eva-Maria Lerch vom 20.12.2013
Warum Bilder machtvoller sind als alle Theologie. Was die Weihnachtsgeschichte im Tiefsten bedeutet. Und wie die Schöpfung in Träumen um Hilfe schreit. Ein Gespräch mit der Theologin und Psychoanalytikerin Ingrid Riedel

Publik-Forum: Frau Riedel, vor Kurzem habe ich mich selbst überrascht und diese knallrote Weste gekauft. Haben Sie dafür eine tiefere Erklärung?

Ingrid Riedel:(lacht) Natürlich ist das auch Geschmackssache. Aber wenn man auf Rot fliegt, bedeutet das immer einen vitalen Impuls. Damit wird man stärker gesehen. Als Psychoanalytikerin habe ich stets auch die Mode mitverfolgt, weil sich darin die Stimmung der Einzelnen, aber auch der jeweiligen Zeit widerspiegelt. Derzeit sieht man viele schwarz gekleidete Menschen. Aber häufig auch Frauen, die gegen dieses allgegenwärtige Dunkel ein Rot setzen. So wie Sie mit Ihrer Weste.

Sie haben die Symbolik der Farben und Bilder in Kunst und Religion erforscht. Dabei sind Sie von Haus aus evangelische Theologin. Lag es da nicht näher, sich mit Wort und Schrift zu befassen?

Riedel: Das Malen liegt vor aller Theologie, es ist die ursprünglichste Form, sich dem, was wichtig und wesentlich ist, zu nähern. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich selbst als Kind im Ingenieurbüro meines Vaters nach den Stabilo-Stiften griff und dann stundenlang malte – einfach so, ohne das Ziel, etwas Vorzeigbares zu produzieren. Schon damals habe ich gespürt, wie wohltuend das ist, dass man durch Malen bei sich selbst ankommt. Natürlich bin ich auch dem Wort sehr verbunden, ich liebe die Sprache. Doch es war mir auch ein Anliegen, die evangelische Kirche – die ja immer etwas karg und kopflastig ist – wieder in Kontakt zum Bild zu bringen, zu diesem sinnlichen Erleben.

Warum ist Ihnen das so wichtig?

Riedel: Weil Bilder anschaulich sind. Das bloße Wort bleibt oft abstrakt, gerade wenn es um religiöse Erfahrung und Botschaft geht. Auch Bilder vermitteln Botschaften, aber farbig, konkret, körperlich, sinnenhaft. Ohne Bilder, Symbole und Gesten geht oft das Mysterium verloren. Bilder können »Wort« enthalten, eine eigene Sprache sprechen.

Sie leiten auch ungeübte Menschen zum »Malen seelischer Bilder« an. Kommt da denn mehr heraus als ein fröhliches Dilettieren?

Riedel: Das Malen ist ein guter Zugang für Menschen, die noch wenig Beziehung zu ihrer Innenwelt und zu ihren Träumen haben. Es verbindet sie mi

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