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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Nicht ohne meine Seele

von Claudia Mende vom 21.12.2012
Unser technisiertes Gesundheitssystem verkennt die wahren Bedürfnisse der Patienten. Kann »Spiritual Care« das ändern?

Satt und sauber. Rundum durchleuchtet von hochkomplizierten Apparaturen. Medizinisch perfekt behandelt. Aber rettungslos abhängig, orientierungslos und einsam. So erleben sich viele kranke und pflegebedürftige Menschen im modernen Gesundheitssystem. Mitarbeiter und Patienten leiden zunehmend unter den technokratischen Vorgaben, die keine Zeit für die menschliche Begegnung gewähren. Wie kann man da noch gesund und froh werden? Und was kann Spiritualität in einem solchen Umfeld bewirken? Diese Fragen beschäftigten die Internationale Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität in München bei einem Symposion zum Thema »Spiritualität im Gesundheitswesen«, die sie gemeinsam mit der Evangelischen Akademie in Tutzing veranstaltete.

Spiritualität im Gesundheitswesen müsse heute interreligiös sein und über die klassische Klinikseelsorge hinausgehen, stellten die Veranstalter fest. Sie sei nicht nur eine Sache von Klinikseelsorgern, sondern betreffe auch Angehörige, Ärzte und Pflegepersonal. Aber kann Spiritualität überhaupt einen Platz finden in diesen Einrichtungen, die sich dem Effizienz- und Kostendenken verschrieben haben? Was kann Seelsorge in der chronisch unterbesetzten Demenzstation eines Altenheimes bedeuten, auf der die Pflegekräfte von einem Patienten zum nächsten hetzen? Das Problem betrifft nicht nur kommunale Krankenhäuser und Unikliniken, sondern auch kirchliche Träger wie Caritas und Diakonie. Der wirtschaftliche Druck auf die kirchlichen Wohlfahrtsverbände ist so groß, dass auch sie allmählich zum Outsourcing von Mitarbeitern übergehen, obgleich ein Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz von 2011 die dauerhafte Leiharbeit gegen den Willen der Mitarbeitervertretungen in Caritas-Unternehmen untersagt hat. Kann Spiritualität unter den gegebenen Bedingungen die Menschlichkeit im Gesundheitssystem retten?

Für den Medizinethiker Giovanni Maio von der Universität Freiburg ist Spiritualität kein Luxus, sondern dringend notwendig. Auch wenn der Begriff eine gewisse Unschärfe habe, stehe er doch für das Erleben von Sinn und die Deutung von Krankheit und Leid als »unaustilgbarer Seite des Menschlichen«. Spiritualität beinhalte das Bemühen des Einzelnen um Einheit und sinnhafte Zusammenhänge in einer Welt, die vor allem durch die Wissenschaften in i

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