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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Dämonen aus der Stille

von Andrea Teupke vom 21.12.2012
Meditation kann die Gesundheit fördern. Doch über mögliche Risiken und Nebenwirkungen ist bislang wenig bekannt

Eine Freundin hatte ihr den Kurs empfohlen: »Christliche Kontemplation«, zehn Tage lang meditieren und schweigen. Die Wirkung des Sitzens in der Stille war »unglaublich intensiv«, erinnert sich Karen Förster(Name von der Redaktion geändert):Schon nach wenigen Tagen des Übens empfand sie tiefe Glücksgefühle, nahm wahr, wie Lebensenergie sie durchströmte, fühlte sich gehalten und geborgen. Diese Energie trug sie auch nach dem Kurs durch den Alltag: »Ein halbes Jahr lang war ich total glücklich«, sagt die Fünfzigjährige, »ich hatte das Gefühl, etwas gefunden zu haben, das mir vorher verschlossen war.«

Doch die Reise in die Stille endete nicht im Paradies. Beim Sitzen auf dem Meditationskissen begegneten ihr auch düstere und furchteinflößende Visionen. Zunehmend wurde sie überschwemmt von gewalttätigen Bildern, die sich immer schwerer abschütteln ließen. Nach einem halben Jahr, in dem Karen Förster regelmäßig übte, blieben die Glücksgefühle ganz aus. Stattdessen spürte sie eine starke innere Unruhe, auch im Alltag überfielen sie unrealistische Ängste. Durch das Meditieren seien »Kästen aufgegangen, die vorher gut verschnürt waren«, sagt Karen Förster. Rückblickend stellt sie fest: »Ich bin in eine richtig depressive Stimmung geraten.«

Die positiven Wirkungen werden intensiv beforscht. Kann Meditation schaden? Kann sie Gesunde krank und Kranke kränker machen? Ulrich Ott, Psychologe am Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen, stellte diese Frage auf dem Kongress »Wissenschaft und Meditation«, zu dem die Identity Foundation und die Oberberg Stiftung kürzlich nach Berlin eingeladen hatten.

Vor mehr als 420 Teilnehmern stellten dort Mediziner, Psychologen und Hirnforscher aktuelle Ergebnisse aus der Meditationsforschung vor. Während die positiven Auswirkungen des Mentaltrainings mittlerweile intensiv beforscht werden, gibt es zu den Risiken und Nebenwirkungen kaum Studien. Die Forschungslage sei dünn, sagt Ott – obwohl das Interesse an Meditation, Yoga und Entspannung stetig wächst.

Nicht immer ist es die Sehnsucht nach Transzendenz oder religiöser Erfahrung, die Menschen dazu veranlasst, eine Meditationstechnik zu erlernen; häufig si

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