Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Keine Kirche der Freiheit

von Hans Dieter Wolfinger vom 21.12.2012
Die evangelische Kirche zwingt Religionslehrer auf die Kanzel. Ihr eigener Anspruch ist ein ganz anderer. Ein Zwischenruf

Es war im Jahre 2006 – oder sollte man jetzt schon besser sagen: Es war einmal? –, als die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihr viel diskutiertes Impulspapier »Kirche der Freiheit« der Öffentlichkeit vorstellte. Dieses Papier sollte besprochen und mit Anregungen angereichert werden. Im Vorwort erklärte der damalige Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber, es sei vor allem beabsichtigt, einen »geistlichen Mentalitätswechsel« anzustoßen.

Doch davon ist heute herzlich wenig zu spüren. Im Gegenteil: Das offene Gespräch, eine Konfliktbearbeitung, bei der man sich auf Augenhöhe begegnet und der Konflikt im Dialog ausgetragen wird, rückt mancherorts in immer weitere Ferne. Mentalitätswechsel? Welcher ist gemeint? Jüngst machte ein Religionslehrer der Badischen Landeskirche mit einem solchen Wechsel Bekanntschaft.

Seine Kirche forderte von ihren hauptamtlich im Religionsunterricht eingesetzten Theologen ein zusätzliches Engagement in der Gemeindearbeit, zum Beispiel beim sonntäglichen Predigtdienst. Einer der Betroffenen, Martin Laubinger,* verteidigte die Kritik seiner Kolleginnen und Kollegen an dieser Anordnung – und geriet so ins Visier der Kirchenleitung. Die Religionslehrer ärgerten sich zum einen, dass ihnen trotz gewachsener Arbeitsbelastung an den Schulen nun auch noch das sonntägliche Predigen abverlangt werden sollte. Zum anderen bekamen sie Bauchschmerzen ob der Vermischung von Arbeitsbereichen: Wie sollten sie gleichzeitig gute Religionslehrer an staatlichen Schulen und Prediger ihrer Kirche sein? Würden ihre Schüler ihnen zutrauen, die Schule nicht mit der Kirche zu verwechseln?

Mit dem in der Verwaltung zuständigen Referenten entwickelte sich ein kontroverser Briefwechsel: Der Oberkirchenrat hatte veranlasst, Laubinger – ohne Rücksprache mit ihm – die Funktion eines Fachberaters für den Religionsunterricht zu entziehen. Zusätzlich wurde der Vorwurf des Verstoßes gegen Ordnungen der Kirche erhoben, weil er der Anordnung nicht folgen wollte. Der Betroffene wehrte sich, doch der Briefwechsel blieb ohne jedes Ergebnis.

Deshalb wandte sich der Pfarrer an seinen Bischof. Und erhielt zu seiner Verblüffung eine Ermahnung: »Als öffentlich-rechtlich Beschäftigten ist von Pfarrern und Beamten zu erwarten, dass sie Gehorsam und Zurückhaltung gegenüber den kirchlichen Vorgesetzten

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen