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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Erlassjahr in New York

von Barbara Jentzsch vom 21.12.2012
Die Occupy-Bewegung schnürt Rettungspakete für Schuldner und denkt über eine alternative Bank nach

Die Occupy-Bewegung wurde bereits totgesagt. Doch jetzt ist sie wieder in aller Munde: mit einer Rettungsaktion für hoch verschuldete US-Bürger. In New York stellten Occupy nahestehende Künstler ein sogenanntes Entschuldungspaket vor: das »Rolling Jubilee«. Inspiriert auch von der biblischen Tradition, in einem Erlassjahr Schulden zu streichen, sammelt die Occupy-Gruppe »Strike Debt« Spenden. Mit diesem Geld kauft sie seitdem Schulden von Menschen auf, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind.

»Unsere Idee ist simpel«, erklärt Mitorganisatorin Pamela Brown: »Wenn jemand nachweislich seine Schulden nicht bezahlen kann, bieten wir seinem Gläubiger an, die Schulden weit unter Wert auf dem grauen Markt zu kaufen. Wenn wir die Schulden besitzen, streichen wir sie. Damit helfen wir nicht nur in Not geratenen Menschen, wir kappen auch den Profit der Spekulanten. Und die Gläubiger machen mit, weil sie ohne den Verkauf der Schulden zum geringen Preis gar kein Geld mehr sehen würden.«

Bis Mitte Dezember sind beim Rolling Jubilee gut eine halbe Million Dollar an Spenden eingegangen. Damit konnten an die neuneinhalb Millionen Dollar Schulden aufgekauft und gestrichen werden. Weil in den USA 62 Prozent der privaten Bankrotterklärungen auf kostspielige Krankenhauskosten zurückgehen, werden krankheitsbedingte Schulden zuerst aufgelöst.

Inzwischen sind bei den Organisatoren Tausende Briefe angekommen, in denen Menschen ihre Dankbarkeit über Occupys spektakuläre Aktion ausgedrückt haben. »Ich habe wieder Hoffnung, nachdem ich alle Hoffnung verloren hatte«, heißt es in einem. »Ich habe geweint, als ich über eure Aktion gelesen habe.« »Dies ist das Amerika, an das ich früher geglaubt habe. Jetzt ist mein Glaube erneuert.« Sogar das Wirtschaftsmagazin Forbes hat den Initiatoren des Rolling Jubilee applaudiert.

Für Kritiker ist die Sache nicht mehr als ein »Räumungsverkauf« im Kapitalismus. Doch die Aktion hat grundsätzliche Diskussionen über den Umgang mit Schulden ausgelöst: Warum haben 77 Prozent der Amerikaner Schulden? Warum werden Banken gerettet und Bankkunden nicht? Wann ist es moralisch gerechtfertigt, Schulden nicht zu begleichen?

Solchen Fragen widmet sich eine Broschüre des Rolling-Jubilee-Teams. Sie stellt die gängigen Praktiken der Banken gegenüber privaten Sch

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