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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

»Die heilige Pflicht zur Zwangsarbeit«

von Bernhard Clasen vom 21.12.2012
Über Kinder auf den Baumwollfeldern in Usbekistan und die Rolle deutscher Soldaten. Fragen an Umida Nijasowa

Frau Nijasowa, Ihre Menschenrechtsorganisation hat in diesen Tagen einen Bericht über die Zwangsarbeit auf den Baumwollfeldern in Usbekistan veröffentlicht. Worum geht es?

Umida Nijasowa: Um die menschenverachtenden Zustände auf den Feldern während der Baumwollernte, die für einen kleine Regierungselite Quelle des Wohlstands ist. Allein 2011 nahm sie über eine Milliarde Euro durch den Baumwollexport ein. Das ist aber nur möglich, weil jedes Jahr mehrere Millionen Menschen, darunter zwei Million Kinder, zwangsweise auf den usbekischen Baumwollfeldern bei den Erntearbeiten eingesetzt werden.

Unter welchen Bedingungen?

Nijasowa: Was wir in Usbekistan erleben, ist eine Mischung, die einerseits an das System Stalin erinnert, andererseits schlimmste turbokapitalistische Ausbeutung von Kindern ist. Denn die arbeiten in der Erntezeit jeden Tag ohne ausreichende Nahrung und unter schrecklichen hygienischen Verhältnissen auf den Baumwollfeldern praktisch für einen Hungerlohn.

Was heißt das?

Nijasowa: Usbekische Baumwollpflücker müssen ihre Mahlzeiten selbst bezahlen. Mit den ersten 30 bis 35 Kilogramm täglich gepflückter Baumwolle wird die Verpflegung bezahlt, für die restlichen 25 Kilogramm, die im Durchschnitt darüber hinaus noch gesammelt werden, erhalten die Pflücker zwanzig Cent. Und wer nicht einmal 30 Kilogramm am Tag sammelt, muss sich noch verschulden, um genügend Essen zu erhalten. In den Schulen fallen in dieser Zeit zudem zwei Monate Unterricht aus.

Warum?

Nijasowa: Zwei Millionen Kinder zwischen zehn und achtzehn Jahren und über drei Millionen Erwachsene sind jedes Jahr in Usbekistan zwangsweise auf den Feldern. Für die Dauer der Baumwollernte, von Anfang September bis Ende Dezember, stirbt das Leben in den Städten und Dörfern praktisch aus: Die Hörsäle in den Schulen, Colleges und Universitäten sind leer. Es ist kaum jemand da, der Kranke behandeln kann, Märkte und Geschäfte sind geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kommt fast zum Erliegen. Es scheint, als sei das gesamte Land im Kriegszustand. Und das jedes Jahr.

Können sich die Schulen nicht wehren?

Nijasowa: Die Schuldirektoren müssen sicherstellen, dass der vo

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