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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Barfuß zur Liebe

von Klaus Hofmeister vom 21.12.2012
»Unsere Gesellschaft ist ja eine Ausgrenzungsgesellschaft«, sagt der Jesuit Christian Herwartz. Für ihn ist es furchtbar, wenn Menschen in der Not um eine Unterkunft bitten und man sagt Nein zu ihnen, weil man keine Matratze da liegen hat

Pater Herwartz, Exerzitien, das sind Besinnungstage, die Menschen einlegen, um ihre Beziehung zu Gott zu intensivieren, um Zeit für das Gebet zu haben oder einfach mal der Seele mehr Raum zu geben. Dazu geht man normalerweise an einen ruhigen Ort und, wie man sagt, nach innen. Sie gehen bei diesen Exerzitien auf die Straße. Wie muss ich mir das konkret vorstellen?

Christian Herwartz: Wir tun im Grunde dasselbe wie die, die zu Exerzitien in ein Kloster gehen. Denn Exerzitien heißt nur »üben«. Wir üben Aufmerksamkeit. Dafür gibt es Hilfsmittel. Die Stille ist eines davon. Aber die Stille ist nicht das Zentrale. In den Exerzitien gilt es auszusteigen aus einem Alltag, in dem ich gewohnt bin, immer gleich zu urteilen. Es geht darum, aus unserem dauernden Urteilen auszusteigen und in die Wahrnehmung zu kommen. Es ist nämlich gar nicht einfach, in dieses Jetzt zu kommen. Die Chance ist, auch in der Stadt, in die Aufmerksamkeit für das Jetzt zu kommen. Das sind Exerzitien auf der Straße.

Das heißt also, die Menschen gehen auf die Straße, also z. B. in Berlin oder auch in anderen Großstädten, und suchen sich dann einen Ort für ihre Meditation oder für ihre Aufmerksamkeit. Die Augen müssen ja auch offen sein.

Christian Herwartz: Die spannende Frage ist: Wie kann ich mich führen lassen an einen Ort, der vielleicht ein Ort der Begegnung ist oder ein Ort der Stille, es kann Verschiedenes sein. Wie lasse ich mich von meinem Herzen dort hinführen?

Müssen das Orte sein, wo man sagt, »da werde ich auf jeden Fall Gott finden«?

Christian Herwartz: Das gibt es überhaupt nicht, einen Ort, an dem man sicher Gott findet. Es geht um die Frage, wo ich in diese Offenheit komme. Ob ich das dann hinterher als eine Begegnung mit Gott wahrnehme, ist eine zweite Frage. In der Regel passiert das. Wir haben eine Geschichte, die uns hilft, das zu spüren. Es ist die biblische Geschichte von Moses und dem brennenden Dornbusch. Der sieht in der Wüste einen Dornbusch, der brennt und nicht verbrennt. Das ist ein Zeichen der Liebe. Es gibt nur eines, das brennt und nicht verbrennt – und das ist die Liebe. Moses wird neugierig und geht hin. Und auf dem Weg dorthin ereignet sich dieser eine Moment. In der Geschichte wird das heiliger Boden genannt. Für einen Teilnehmer

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