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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Was Vancouver anders macht

Wie gehen andere Länder mit Zuwanderung um? Die kanadische Metropole Vancouver wird immer asiatischer. Schlaglichter einer Stadt im Wandel

Die Killarney Secondary School in Vancouver ist stolz auf ihre Absolventen. Jeder Abschlussjahrgang wird auf einem großen Poster verewigt und auf dem Schulflur präsentiert. Hunderte von Porträtfotos sind da zu sehen – von jungen Erwachsenen in schwarzen Roben. Fast alle strahlen, manch ein Junge streckt etwas überheblich die Brust raus. Doch seit dem ersten Abschlussjahr 1960 hat sich viel verändert: die Frisuren, die Brillengestelle – und vor allem die Herkunft der Schüler.

Die Schulgalerie spiegelt, was auch im Stadtbild Vancouvers ins Auge fällt: Die Großstadt an der Westküste Kanadas wird immer asiatischer. In den 1960er- und 1970er-Jahren hießen Absolventen Watson, Mackenzie oder auch Schmidt. Heute überwiegen Namen wie Lee, Lin oder Kim.

Etwa fünfzig Prozent der insgesamt rund 2,5 Millionen Bewohner des Großraums Vancouver gehören inzwischen sogenannten erkennbaren Minderheiten an, sie haben also keine europäischen Vorfahren. Die meisten stammen aus Asien, jeder Fünfte aus China. Was bedeutet das für das Zusammenleben?

»Besorgte Bürger«, die vor Überfremdung warnen, sucht man in Vancouver vergeblich. Auch fordert keine einzige Partei einen Zuzugsstopp für asiatische Einwanderer. In Kanada herrscht vielmehr Konsens, dass Zuwanderer gebraucht werden – und die kommen heute eben eher aus Asien als aus Europa.

In Vancouvers Einfamilienhaussiedlungen sind vornehmlich philippinische Kindermädchen zu sehen. Ganze Trüppchen ziehen morgens mit ihren Schützlingen im Kinderwagen und vorgekochtem Proviant im Rucksack zu den Parks und Spielplätzen der Stadt. Sie dürfen in der Regel in Kanada bleiben und ihre eigenen Familien nachhole