Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Hitlergruß im Klassenzimmer

Antisemitische und rassistische Äußerungen in der Schule nehmen zu. Was Lehrer, Eltern und Schüler dagegen tun können

Plötzlich war es in Emilias Klasse cool, den Hitlergruß zu zeigen. Nieste jemand, wurde nicht »Gesundheit« gesagt, sondern »Heilung«. Die 15 Jahre alte Schülerin aus Dresden fühlte sich unwohl dabei. Als im WhatsApp-Klassenchat antisemitische Fotos auftauchten – eine Rauchwolke, die als »jüdisches Familienfoto« betitelt war –, reichte es ihr. Die Gymnasiastin schrieb dem Absender per WhatsApp: »Lass das mit dem Nazi-Gehabe, das ist überhaupt nicht witzig.« Dessen Antwort habe gelautet: »Hast wohl zu viele tote Juden eingeatmet.«

Emilia sprach mit ihren Eltern, und sie entschieden gemeinsam, den Mitschüler anzuzeigen. Für dieses Aktivwerden hat die Schülerin kürzlich den Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus erhalten. Weniger Unterstützung erhielt Emilia von ihren Lehrern, wie sie berichtete. In zwei E-Mails an die Schule hätten ihre Eltern die Vorkommnisse geschildert, doch nur die lapidare Antwort erhalten, das Thema werde im Geschichtsunterricht behandelt.

Ähnlich erging es der Berliner Jüdin Gemma Michalski. Ihr 14 Jahre alter Sohn wurde an seiner Schule in Berlin-Friedenau von muslimischen Mitschülern über Monate hinweg antisemitisch beleidigt und geschlagen. »Mein Sohn war wie Freiwild. Mich hat dieser tief sitzende Hass überrascht«, berichtete sie. Der Fall hatte im Sommer bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Schulleitung hat laut Gemma Michalski das Problem nicht ernst genug genommen.

Sind das Einzelfälle? Oder sind antisemitische und rassistische Übergriffe in der Schule ein wachsendes Problem in Deutschland? Genaue statistische Angaben gebe es nicht, sagt Marina Chernivs