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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

»Bunter und echter«

von Helen Knust vom 04.12.2015
Spiritprotokoll: Uta Wacker erlebt die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg als heilend. Inzwischen bietet sie selbst Kurse an

Als ich mit der Gewaltfreien Kommunikation anfing, war ich in einer schwierigen Lebensphase, und sie hat mir geholfen, eine Sprache zu finden für das, was mir fehlte, was in mir los war. Statt nur zu sagen: »Mir geht es schlecht«, kann ich meine Gefühle und vor allem die Bedürfnisse dahinter jetzt konkret benennen. Das war eine heilende Erfahrung.

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Konzept von Marshall B. Rosenberg. Der amerikanische Psychologe hat diese »Sprache des Herzens« entwickelt, um die Rassentrennung in den USA zu überwinden, und das Konzept dann in vielen politischen Konflikten auf der ganzen Welt eingesetzt. Gewaltfreie Kommunikation hilft Menschen, empathisch mit sich selbst und miteinander umzugehen, Konflikte friedlich zu lösen und Vertrauen zum Leben zu entwickeln.

Ich selbst bin erst mal lange mit diesen Gefühls- und Bedürfnislisten in der Hosentasche rumgelaufen, die bei den GFK-Kursen angeboten werden. Darauf standen Wörter für positive Gefühle, wenn Bedürfnisse erfüllt sind. Also zum Beispiel: glücklich, fröhlich, erleichtert, entspannt. Auch für negative Gefühle, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt sind: verärgert, verletzt, deprimiert, frustriert. Und für Bedürfnisse: Wertschätzung, Leichtigkeit, Austausch, Freude oder Spaß. Das hat mir geholfen, meine Aufmerksamkeit zu schärfen, zurückzukommen zu mir – anstatt immer bei anderen zu sein und bei dem, was die alles falsch machen, wie unmöglich sie sich benehmen und wie gemein die zu mir sind.

Dann hatte ich ein Schlüsselerlebnis mit meinem Vater. Er hatte immer eine klare Vorstellung davon, was richtig und was falsch ist, und eine sehr wertende Ausdrucksweise. Einmal hat er meine Kinder in der Öffentlichkeit zusammengestaucht, weil sie ihm nicht so guten Tag gesagt haben, wie er das gerne wollte. Ich war geschockt und habe mich nicht nur über ihn, sondern auch über mich geärgert, weil ich nicht in der Lage war, meine Kinder gegenüber dem unverhältnismäßigen Vorwurf zu verteidigen.

Zu Hause habe ich mich dann mit diesen Listen hingesetzt und die vier Schritte des GFK durchexerziert: Was ist passiert? Wie ging es mir? Was hätte ich gebraucht in dem Moment? Und welche Bitte habe ich an meinen Vater? Ich habe ihm dann einen Brief geschrieben, und er hat sich daraufhin tatsächlich bei mir entschuldigt. Das erste Mal in 47 Jahren!

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