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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Wie klingt die Synagoge?

von Eva-Maria Lerch vom 06.12.2013
Vorgespräch: Fragen an Nils Busch-Petersen,den Direktor des Louis-Lewandowski- Festivals in Berlin

Herr Busch-Petersen, Sie veranstalten vom 20. bis 22. Dezember in Berlin ein Festival der Synagogalmusik. Wie klingt denn diese Musik?

Nils Busch-Petersen: Unglaublich erhaben. Sehr emotional. Eine religiöse Musik, die zuweilen nach großer Oper klingt und die Herzen in Richtung Gottes führen will. Fast die ganze Synagogalmusik geht auf die Zeit der Romantik zurück. Der Gottesdienst wird dabei durch Kantor, Chor und Orgel ausgestaltet.

Chor und Orgel in der Synagoge? Wird die Thora denn nicht von einem einzigen Sänger vorgetragen? Und ist die Orgel nicht eher ein christliches Instrument?

Busch-Petersen: Über diese Frage ist im Judentum heftigst gestritten worden. Ursprünglich, im alten Israel, wurde in der Synagoge selbstverständlich auch Musik gemacht. Erst nach der Zerstörung des Tempels waren aus Trauer über die Zerstreuung keine Instrumente mehr zugelassen. Doch dann, vor etwa 200 Jahren, waren die jüdischen Gemeinden gerade hier in Berlin so groß geworden, dass die einzelne Stimme des Kantors den Raum nicht mehr füllte. Und so schaute man mal zu den Christen rüber, gründete Synagogenchöre und begleitete sie auf der Orgel. In dieser Zeit hat auch Louis Lewandowski, ein junger jüdischer Sänger, den kompletten Gebetskanon neu vertont. Für Kantor, Chor und Orgel.

War es Lewandowski, der die Orgel in die Synagogen brachte?

Busch-Petersen: Er hat sehr für die Orgel gekämpft, konnte sich aber nicht überall durchsetzen. Bei der Rabbinerkonferenz 1845 kam es dann endgültig zum »Orgelstreit«: Die orthodoxen Gemeinden erklärten Instrumente für tabu und spalteten sich ab.

Singen die Chöre Hebräisch oder Deutsch?

Busch-Petersen: Der traditionelle Gebetskanon wird zumeist auf Hebräisch gesungen. Doch in der liberalen Tradition ist auch die deutsche Übersetzung erlaubt.

Bei dem Festival werden also nur Juden aus liberalen Gemeinden auftreten?

Busch-Petersen: Nein, im Gegenteil: Das Werk von Louis Lewandowski wird inzwischen auch in orthodoxen Synagogen gesungen, wenn auch ohne Instrumentalbegleitung. Hier in Berlin kommen Chöre aus allen Richtungen zusammen. Sängerinnen und Sänger aus London, Breslau, Leipzig, Galiläa, liberale, orthodo

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