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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Warum bloß geht Kati ins Kloster?

von Birgit Roschy vom 06.12.2013
Der Film »Schwestern« stellt die Ratlosigkeit einer modernen Familie in Kontrast zu dem Geheimnis der Stille

Aus allen Himmelsrichtungen reist die Familie zu einer ganz besonderen Feier an. Ihre jüngste Tochter Kati tritt ins Kloster ein und feiert mit anderen Novizinnen ihre Einkleidung. Doch das Loslassen fällt der ausgesprochen weltlichen Familie schwer: Warum kehrt Kati, die fröhlichste und ausgeglichenste der Sippe, der Welt den Rücken zu? Als die Zeremonie plötzlich abgebrochen wird und die Besucher eine Zwangspause einlegen müssen, brechen sich die Emotionen Bahn.

Junge Frauen, die sich in der Blüte ihres Lebens ins Kloster zurückziehen, haben die Filmemacher seit jeher berührt. Bekanntestes Beispiel ist die »Geschichte einer Nonne« mit Audrey Hepburn; vor Kurzem wurde Denis Diderots tragischer Roman »Die Nonne« verfilmt. Auch in Streifen wie »Die große Stille«, »Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen« oder »Lourdes« sind Glaube und Kloster ins Kino zurückgekehrt. Hier überrascht Regisseurin Anne Wild mit einem poetischen Zugang zu dem Thema.

Wurden Frauen jahrhundertelang zwangsweise ins Kloster »gesteckt«, so steht ihnen heute die Welt sperrangelweit offen. Niemals hatten sie so große Chancen, ihr Potenzial zu verwirklichen, »nie zuvor soviel Freiheit wie in dieser Generation«, schimpft Katis Mutter, die nicht versteht, warum ihre Tochter da ausgerechnet das Kloster gewählt hat. Die Mutter, eine umtriebige Wirtschaftsjournalistin, wirft die Frage nach dem Warum auch stellvertretend für den Zuschauer auf. Kati, die ein Schweigegelübde abgelegt hat, wird keine Antwort geben. Die Regisseurin nähert sich dem Warum auf Umwegen. Sie schlägt einen dramaturgischen Bogen um das barocke Klostergebäude, in dem Kati, der fast unsichtbare Katalysator des Geschehens, lebt. Die Familie will die Wartezeit bis zur Wiederaufnahme der Zeremonie für ein Picknick nutzen und schwärmt auf die Wiesen um die Klosteranlage aus. Spazierend, räsonierend, schließlich schweigend, genießt man die Idylle. Und in jenen Augenblicken flirrender Mittagshitze, in denen das Getriebe der Welt stillzustehen scheint, geschieht etwas.

Der Film wird zum malerischen Kammerspiel, aufgeladen mit Naturmetaphorik, die sprechender ist als die aneinander vorbeiredenden Erwachsenen. Leicht hingetupft sind auch die Charaktere, die fern aller Klischees ganz zeitgeistig sind – und zeigen, dass Selbstverwirklichung tatsächlich auch ein Kreuz sein kann. In humorvollen, nie bösartigen Streiflichtern werden

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