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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Grippenspiel

vom 06.12.2013
Kolumne Von Fabian Vogt:

Ich liebe es, Pfarrer zu sein. Das ist so schön menschlich. So herrlich real. Und gleichzeitig so wunderbar irrational: Jeden Tag darf man in die schwindelerregenden Abgründe postmoderner Seelen schauen – und hingebungsvoll auf die heilende Kraft Gottes vertrauen.

Zum Beispiel letzten Sonntag nach dem Gottesdienst. »Kann ich mit Ihnen noch kurz reden, Herr Pfarrer?« Ein etwa 45-jähriger, sportlich gekleideter Bankertyp spricht mich an. Sichtlich erfolgsverwöhnt. Mit schwungvollem Theologenlächeln sage ich: »Aber gern! Worum geht es?«

»Nun, ich bin ja ein engagiertes Gemeindeglied …« (Ich denke: Ach, ich habe dich aber noch nie irgendwo gesehen!) »… und Geronimo ist gerade in einer schwierigen Phase.« (Spontan vermute ich, dass er nicht den legendären Apachen-Häuptling, sondern seinen Sohn meint.) »Ah ja, und … wie kann ich da helfen?«

»Also: Geronimo identifiziert sich momentan sehr mit Spiderman – und ich habe ihm versprochen, dass er dieses Jahr als Spiderman im Krippenspiel mitmachen darf.«

Was!?

»Ja, Geronimo ist wirklich hochsensibel – und wenn ihm dieser … fast möchte ich sagen: Lebenstraum, nicht erfüllt wird, könnte das schwere psychische Schäden hinterlassen.«

Vorsichtig werfe ich ein: »Mir war bislang gar nicht bewusst, dass Spiderman in der Weihnachtsgeschichte vorkommt.« Er grinst. Ein wenig herablassend. »Na, es ist doch sicher kein Problem, Spiderman mit einzubauen. Vielleicht als einen der Weisen aus dem Morgenland. Die könnten doch zu dritt, also: Spiderman, Batman und Superman, dem Kind in der Krippe huldigen. Das hätte was von modernem Regietheater.«

Leicht gereizt, aber professionell höflich unterbreche ich ihn: »Das Stück steht schon. Und Spiderman spielt leider nicht mit. Das würde auch die Gemeinde stark irritieren.« Er klopft mir jovial auf die Schulter. »Sie kriegen das schon hin. Sehen Sie, ich zahle dermaßen viel Kirchensteuer. Und Sie wollen doch nicht, dass ich austrete. Außerdem ist Ihnen das Wohlergehen eines Kindes sicher wichtiger als die Meinung irgendwelcher nostalgisch-reaktionärer Kleingeister, für die Gott im Mittelalter angekettet bleiben soll.«

Ich wage eine letzte Erwiderung: »Kann Geronimo denn schauspielern?« Da w

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