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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

»Früher war ich kein politischer Mensch«

von Barbara Tambour vom 06.12.2013
Wie sich Sabine Werner für traumatisierte Kinder und Frauen in Gaza einsetzt

Früher war ich überhaupt kein politischer Mensch. Das hat sich völlig verändert. Statt dass ich mit meinen 77 Jahren auf dem Sofa sitze und Topflappen häkele, setze ich mich für traumatisierte Kinder und Frauen in Gaza ein. Durch die Bombenangriffe der israelischen Armee auf Gaza leiden viele Kinder an Sprechstörungen – manche fangen an zu stottern, andere verstummen, einige werden aggressiv. Die Angst vor neuen Angriffen ist groß. Unsere Initiative FrauenWegeNahost finanziert einen Sprechtherapeuten, der traumatisierte Kinder behandelt. Wir nennen unser Projekt »Hoffnungsvögel«. Um Spenden zu sammeln, organisieren wir Informationsabende, bei denen es nach einem Vortrag oder Film palästinensisches Essen gibt, und wir verkaufen Weihnachtskarten. Ich habe auch eine Foto-Dokumentation zusammengestellt, die die Arbeit des palästinensischen Sprechtherapeuten veranschaulicht. Ich bin ja Fotografin.

Dreißig Jahre meines Erwachsenenlebens habe ich mich intensiv mit dem Holocaust und der deutschen Schuld beschäftigt – aber nie nach den Palästinensern gefragt, die bei Gründung des Staates Israel dort längst lebten. Das änderte sich, als ich ein Buch der jüdischen Anwältin Felicia Langer in die Hand bekam. Sie öffnete mir die Augen für die Leiden der Palästinenser. Ich fing an zu begreifen, dass die deutsche Schuld an den Juden noch eine ganz andere Seite hat, nämlich die der Verantwortung für das palästinensische Volk. Als die israelische Armee zur Jahreswende 2008/2009 den Gazastreifen bombardierte, hat mich das bewegt und aufgeregt. Ich wollte Menschen in Palästina helfen und suchte Gleichgesinnte. Gefunden habe ich sie in der deutsch-palästinensischen Initiative FrauenWegeNahost.

Gerade haben wir die Broschüre »Palästinensische Minderjährige in den Fängen der israelischen Militärjustiz« herausgebracht. Denn wer in Deutschland weiß, dass palästinensische Kinder in israelischen Gefängnissen festgehalten werden? Um das bekannt zu machen, haben wir den Bericht des UN-Kinderrechtskomitees aus dem Englischen übersetzt. Er beschreibt, dass palästinensische Kinder und Jugendliche oft mitten in der Nacht aus ihren Häusern geholt, inhaftiert, gefoltert und misshandelt werden. Nur, weil sie in ihrer Wut und Ohnmacht Steine auf israelische Soldaten geworfen haben. So sollten Kinder nicht aufwachsen müssen! Ich wünsche mir, es noch zu erleben, dass in dieses gequälte Land Palästi

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