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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Von Jägern und Gejagten

von Thomas Seiterich vom 07.12.2012
Das anonyme katholische Hassportal im Internet gibt es nicht mehr. Auch ein Erfolg der Aktion »Stoppt kreuz.net«

Endlich! Das Hassportal kreuz.net verschwand in der Nacht zum Ersten Advent aus dem Internet. Ob der Untergang einer der bösartigsten Hetz-Plattformen endgültig ist, wird sich zeigen. Offenbar wurde der Druck auf die anonymen Urheber zu groß.

Kreuz.net bleibt ein Riesenskandal – wegen des politischen Tabubruchs. Denn in kreuz.net wich die aus der Verfolgung durch die Nazis stammende, weltanschauliche Feindschaft von konservativen Katholiken, deren Kontaktnetze bis zum Papst reichen, gegenüber Neonazis und Holocaustleugnern einem üblen Miteinander von Nazibraun und Schwarz. Dies ergibt die Fahndung nach den Machern von kreuz.net. Und die Bischofskonferenz? Sie hielt sich lange bedeckt, bis sie das Portal verurteilte. Weil keine Einstimmigkeit in Sachen kreuz.net bestand, da der Kölner Kardinal Joachim Meisner bremste. Viele Bischöfe fürchten bis heute das »katholische« Hassportal.

Ende Oktober jedoch hatte der Theologe David Berger einfach genug – von dem beschwichtigenden Satz »Mit kreuz.net müssen sie leben«, genug von der Hasskampagne gegen Homosexuelle wie ihn, genug von Häme und Hetze gegen liberale Christen, Juden und Muslime. Das anonyme kreuz.net versendete sein Gift unter dem Deckmantel des »Katholischen« seit 2004 täglich. Mehrsprachig.

Ein Schmähartikel über den verstorbenen schwulen Schauspieler Dirk Bach – »Der Kotstecher … schmort jetzt in der ewigen Homo-Hölle« – brachte das Fass zum Überlaufen. Berger, bis zu seinem Coming-out ein gefeierter Jungstar der theologisch Konservativen inklusive der römischen Glaubenskongregation, startete mit dem Bruno Gmünder-Verlag die »Aktion Stoppt kreuz.net«. Die Aufmerksamkeit der Medien errang die Kampagne, weil der Verlag 15 000 Euro Kopfgeld auslobte für Informanten, die helfen, den Betreibern das Handwerk zu legen. So viel Geld lockte die Mitwisser des rechtsextremen Webportals, das seinen Sitz ständig wechselte. Sie versorgten den Szene-Verlag nun mit brisanten Informationen.

Für den 44-jährigen Berger war es eine Überraschung, dass die Macher von kreuz.net offenbar nicht in der Traditionalistensekte der Piusbrüder zu suchen sind, sondern in Kreisen, die sich selbst für treu römisch halten. Als einer der ersten wurde der Pensionär Hubert Hecker aus Limburg geoutet. Als Religionslehrer hatte er in kreuz.

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